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Was passiert eigentlich mit meinen Trainingsdaten?

In den letzten Wochen und Monaten haben die meisten von Ihnen an der Grundlage für die Saison 2019 gearbeitet und ihren Fortschritt tagtäglich dokumentiert. Kein Wunder, dass Facebook, Instagram, Strava, Zwift, Runtastic und Co sowie zahlreiche Apps und Anwendungen aus dem Alltag der meisten Ausdauersportler nicht mehr wegzudenken sind. Während sie uns auf der einen Seite weltweit miteinander vernetzen, werden wir andererseits mit jedem Upload, Eintrag, Like, Teilen oder Markierung nicht nur transparenter, sondern auch angreifbarer.

Ein Blick in die eigene Aktivitätshistorie lässt nur erahnen, welche – zum Teil sehr sensiblen und personenbezogenen – Daten ein jeder von sich preisgibt. Die Spur, die wir dabei hinterlassen, lässt sich im Nachhinein nur mit sehr viel Aufwand beziehungsweise überhaupt nicht mehr löschen. Freunde und Follower zu informieren, an virtuellen Wettkämpfen teilzunehmen oder die letzten Trainingseinheiten zu dokumentieren, ist das eine, die Verarbeitung all dieser Daten durch den Anbieter des genutzten Angebotes steht auf einem anderen Blatt. Mir fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Datenkraken“ ein.

Fitnessarmbänder, Sportuhren und unzählige Trainings-Apps sammeln nicht nur Distanzen, Streckenverläufe, Geschwindigkeiten, Wattzahlen und Höhenmeter, sondern auch personenbezogene Daten, die als besonders sensibel gelten. So können beispielsweise Puls, Herzfrequenz, Kalorienverbrauch und das Schlafverhalten Aufschlüsse über den Gesundheitszustand des Nutzers geben. Auch wenn die Möglichkeit existiert, individuelle Änderungen in den Persönlichkeitseinstellungen vorzunehmen, stellt sich die Frage, was mit all diesen Daten – und dazu gehören auch die, die nicht öffentlich sind – sonst noch geschieht. Durch die Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen kann der Schutz gerade dieser personenbezogenen Gesundheitsdaten außer Kontrolle geraten, und sie können für Krankenkassen und Versicherer, aber auch für Arbeitgeber, zu einer begehrten Ware werden. Kein Wunder, dass die Verbraucherschutzzentralen in der Vergangenheit diverse Abmahnungen wegen Verstoß gegen das Datenschutzgesetz ausgesprochen haben. Wer darüber hinaus die Daten einer Anwendung mit Apps oder Angeboten von Drittanbietern verbindet, überträgt dabei – je nach Anbieter – auch personenbezogene Daten. Und dort gelten dann deren Bedingungen. Umso wichtiger ist es, die Privateinstellungen im Zielsystem ebenfalls zu prüfen und anzupassen.

Ihre personenbezogenen Daten sind ein kostbares Gut und sollten nicht unrechtmäßig von Dritten genutzt werden können. Eigenverantwortung ist das Zauberwort, nicht nur hinsichtlich dessen, „was ich wann für wen preisgebe“, sondern auch hinsichtlich des Sich-Vertrautmachens mit dem Kleingedruckten in den Nutzungsbedingungen und Richtlinien zum Datenschutz. Es sei denn, Ihr Profilierungs- und Selbstdarstellungsdrang überwiegt.

Ihr

Klaus Arendt
[Chefredakteur]

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Inhaltsverzeichning tritime 2 | 2019 (#51)

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