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Boxer jammern nicht!

Immer wieder fällt mir bei Triathlonwettkämpfen im Startbereich auf, dass etliche Athleten sich beklagen, schlecht vorbereitet zu sein, anstatt sich auf das bevorstehende Rennen zu freuen. Als Gründe werden meist Beruf, Familie oder die Gesundheit herangezogen. Andere Mitstreiter erwähnen, sie hätten schlecht geschlafen, während der Anreise im Stau gestanden oder keine Verdauung gehabt. Und überhaupt, die anderen Sportler sähen so verdammt gut trainiert und deren Equipment superschnell aus. Wenn es sich dabei jedoch nur um ein Jammern auf hohem Niveau handelt, um im Vorfeld bereits eine Entschuldigung für ein schlechtes Rennen parat zu haben, dann sollte man sich vielleicht doch ein wenig mit mentaler Wettkampfvorbereitung beschäftigen. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, dass überhaupt jemand zugab: „Ich fühle mich topfit.“ Aber daran, dass ich einige der sich Beklagenden wiedererkannte, die auf ihren Social-Media-Kanälen aus vergangenen Trainingscamps oder der Pasta-Party am Vorabend in frisch gebügelten Finisher-Shirts die größten Sprüche geklopft hatten. Verkehrte Welt.

Aber damit nicht genug. Im Zielbereich geht bei vielen ambitionierten Altersklassenathleten, die ihre Bestzeit verfehlt haben oder von ihren ärgsten Widersachern in die Schranken gewiesen wurden, das Gejammer weiter. „Mein Magen hat gestreikt. Ich konnte nichts essen. Nicht mein Wetter. Plötzlich auftretende Knieschmerzen“, das sind Klassiker, die häufig nach Wettkämpfen zu hören sind. Ich persönlich finde es sehr schade, dass viele sich ein weniger gutes Resultat – häufig auch die Folge einer falschen Renntaktik oder ungenügenden Trainings – nicht eingestehen können.

Und auch bei den Profis gibt es gerade in den Prerace-Pressekonferenzen leider selten ganz klare Ansagen. Die meisten Topathleten sind lieb und nett zueinander und zollen ihren Mitstreitern höchsten Respekt. In anderen Sportarten – beispielsweise im Boxen – geht es im Vorfeld ganz anders zur Sache. Ein verbaler Schlagabtausch ist die Regel und findet auch gerade deshalb regelmäßig seinen Weg in die überregionalen Medien.

Triathlon ist ein so toller Sport. Die Hochachtung des persönlichen Umfelds und der Zuschauer vor der vollbrachten Leistung, diese außergewöhnliche Herausforderung überhaupt angenommen zu haben, ist jedem sicher. Bis zum heutigen Tag habe ich es noch nicht erlebt, dass ein Triathlet aufgrund einer schlechten Leistung auf der Strecke oder im Zielkanal ausgepfiffen wurde. Im Gegenteil: 2014 und 2017 erhielten Andreas Raelert und Jan Frodeno für ihre „Gewaltmärsche“ beim abschließenden Marathon auf Hawaii im Nachgang fast mehr Aufmerksamkeit als die Sieger.

Ich wünsche Ihnen für die anstehenden Wettkämpfe die notwendige Leichtigkeit, viel Freude und ein gutes Gelingen.

Ihr

Klaus Arendt
[Chefredakteur]

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