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Abgerechnet wird im Ziel!

Triathleten genießen den Ruf, sehr technikaffin und detailverliebt zu sein. Da wird getüftelt, gewogen und getunt, damit an den verschiedensten Stellschrauben im wahrsten Sinne des Wortes das letzte Gramm oder Watt eingespart werden kann. Um im Kampf für die persönliche Bestzeit oder die gute Platzierung den entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu erlangen, stehen zudem regelmäßige Leistungsdiagnostiken, Ernährungsberater, Sitzpositionsanalysen und zunehmend auch Aerodynamiktests auf der Bahn und im Windkanal hoch im Kurs. Was bei Profis und hoch ambitionierten Altersklassenathleten gang und gäbe ist, scheint mittlerweile zunehmend auch bei Einsteigern ein „must be“ zu werden.

Fragen nach der Beschichtung des Swimsuits, der Wahl des pannensichersten Reifens oder den Vorteilen eines Renneinteilers werden schon fast gar nicht mehr gestellt. 26 oder 28 Zoll, Carbon oder Aluminium, zweifach oder dreifach? Das war einmal, und der Gedanke daran lässt längst vergangene Zeiten aufleben. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an die Aussage eines Trainingskollegen, der voller Stolz seine neueste Pulsuhr, damals noch ohne GPS-, Kilometer- und Geschwindigkeitsanzeige, jedoch mit Zwischenzeitmessung, präsentierte: „Wenigstens in puncto Technik bin ich in meiner Altersklasse ganz weit vorne!“

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State-of-the-art-Equipment mag sicherlich motivieren, ist morgen allerdings auch schon wieder ein alter Hut von gestern. Die Entwicklungsspirale dreht sich bekanntlich immer schneller weiter und weiter. Der aerodynamischste Zeitfahrrahmen, der Neoprenanzug mit der besten Gleitfähigkeit oder die coolste GPS-Uhr ersetzen jedoch kein zielorientiertes Training. Unstrukturiertes Schwimmen, Radfahren und Laufen mag – insbesondere zu Beginn der Ausdauersportkarriere –eine Zeit lang gut gehen und zu Leistungssteigerungen führen, sobald jedoch die persönlichen Ansprüche steigen, bestimmte Platzierungen erreicht oder Zeiten unterboten werden sollen, ist schon etwas mehr erforderlich. Wer nicht in der Lage ist, die im Training erhobenen Daten richtig zu analysieren, um sie bei der Planung der anstehenden Einheiten zielführend zu berücksichtigen, dem nutzt auch das neueste Equipment wenig. Schließlich wollen Sie am Tag X Ihre maximale körperliche Leistungsfähigkeit abrufen und nicht im Trainingsalltag.

Die europäische Triathlonsaison 2018 neigt sich dem Ende zu. Nutzen Sie die kommenden Wochen auch dazu, Ihre Trainingsaufzeichnungen kritisch zu analysieren, vielleicht auch mithilfe eines erfahrenen Coaches. Häufig sind es – wie beim Equipment – die kleinen Stellschrauben, die aus einem Trainingsweltmeister einen erfolgreichen Wettkämpfer machen.

Ihr

Klaus Arendt
[Chefredakteur]

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