Ein Tag in der Reha mit Karsten Pfeifer

Nach seinem Unfall im Mai 2016 begann kurz nach Weihnachten für den ab dem ersten Brustwirbel querschnittgelähmten Triathleten Karsten Pfeifer die Rehaphase in der Unfallklink Murnau. Ein täglicher Kampf zurück in den Alltag, wie Karsten berichtet.

Nach sieben Wochen Training sind Fortschritte zwar schon deutlich erkennbar, aber um seinen Alltag wieder alleine bewältigen zu können, muss Karsten noch einen langen Weg gehen. Wie ein typischer Reha-Tag bei ihm aussieht erzählt Karsten heute.
8:30 Uhr: Nach Frühstück, Kathetern, Abführen, Duschen und Ankleiden – wofür ich manchmal bis zu zwei Stunden benötige – steht für eine Stunde die Arbeit in der Werkstatt an einem rollstuhltauglichen Tablett an. Ich bin nicht handwerklich begabt, aber eine Abwechslung zum anschliessenden Trainingsprogramm ist diese Tätigkeit dennoch auch für mich.
9:30 Uhr: Es geht für 30 Minuten mit Sportlehrer Andy raus ins Freie zum Rollstuhltraining. Im Winter ist das nicht immer ein Spaß, aber es härtet ab. Auf dem Programm stehen Zweiräderfahren, Berganfahren und das Überwinden kleinerer Hindernisse. 
10 Uhr: Ich spanne ich meine Füße ins „Motomed“, eine Art Ergometer mit Antrieb, um für 20 Minuten meine Beine bei 60 Umdrehungen pro Minute durchbewegen zu lassen. Ich vermisse das Radfahren mit eigener Beinkraft!
11 Uhr: Es erwartet mich Physiotherapeutin Marleene für die 30-minütige Vormittagssession. Das Stütztraining im Kurz-, Lang- und Schneidersitz fordert meine Konzentration und all meine Kräfte. Nach einer kurzen Mittagspause setze ich mich zur Entspannung von Schulter und Nacken für 20 Minuten unters Rotlicht bevor ich um
13 Uhr für 30 Minuten ins Stehpult gespannt werde, um den Kreislauf zu trainieren. Diese Prozedur strengt mich nach Wochen des Trainings immer noch sehr an. Regelmäßiges stehen ist übrigens auch gut für die Knochen. Die nun anschließenden freien 30 Minuten nutze ich zum Atemtraining und zum Dehnen.
14 Uhr:  Ich absolviere mit Marleene eine weitere 30-minütige Physiosession. In der Regel arbeiten wir nun an meiner Körperbalance und Beweglichkeit. Als letzter offizieller Programmpunkt steht nun noch 30 bis 45 Minuten Kraft- oder Kraftausdauertraining an Geräten auf dem Plan. Die Übungen konzentrieren sich aufgrund meiner Lähmungshöhe natürlich auf Arme, Brust und Schultern. Häufig nutze ich nach einer anschließenden Cappuccino-Pause die freie Zeit bis zum Abendessen gegen 17 Uhr, um in Eigenregie mit dem Rollstuhl noch ein paar Anstiege hoch und auf den Hinterrädern runter zu fahren. Spätestens nach dem Abendessen bin ich platt und freue mich aufs Bett. Am nächsten Tag geht es in ähnlicher Taktung weiter. Langweile kommt auch im Reha-Trainingsalltag nicht auf.

Raus in die Welt

Vor ein paar Tagen veröffenlichte Karsten die folgenden Zeilen auf Facebook, denn jetzt beginnt bald das Leben außerhalb der Klinik für ihn – der Kampf geht in die nächste Runde:

„Meine Tage im Querschnittzentrum der Unfallklinik Murnau neigen sich so langsam dem Ende zu. … . Nun steht die nächste große Herausforderung an. Das Verlassen des geschützten barrierefreien ‚Krankenhauskokons‘, die ungeschminkte Konfrontation mit der Außenwelt, die Etablierung von Alltagsroutinen und die Organisation von geeigneten fortführenden Reha-Maßnahmen im näheren häuslichen Umfeld.

Bis zu meiner Selbstständigkeit ist es noch ein langer Weg. Meine körperliche Gesundheit ist weiterhin ein sehr labiles Gebilde, wie ich gerade diese Woche wieder erfahren muss. Kleinigkeiten können mich aus der Bahn werfen und damit in meiner Entwicklung zurückschmeissen. Es gibt keine Abkürzung und kein einfaches Geheimrezept auf dieser Reise. Wie in meinem vorherigen Leben als Triathlet sind Geduld, Beharrlichkeit, Offenheit für Neues, Überdenken von Vergangenem, höchstmögliche Sorgfalt gegenüber meinem Körper und die große Güte meiner Mitmenschen, mir auf dieser Reise behilflich zu sein, die elementaren Pfeiler, um diese Herausforderung Schritt für Schritt bewältigen zu können.“

In diesem Sinne – Herzlichen Dank und Never stop burning!
Euer Karsten

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