Tina Walter: Deutsche Zuverlässigkeit wird auf der Insel geschätzt

Was macht eigentlich Tina Walter? Wer noch nicht so lange im Triathlon-Geschäft  dabei ist, kennt Tina vermutlich gar nicht. Tina Walter war eine ausgezeichnete deutsche Profitriathletin, bis zu einem Radunfall kurz vor dem Ironman Hawaii 2005.

Die heute 47-jährige ist Kona allerdings treu geblieben. Seit neun Jahren lebt sie mit einem Teil ihrer Familie auf Big Island. Die tritime-Redaktion hat die gebürtige Schwäbin zuhause in Kona besucht und mit ihr über ihr Abenteuer Hawaii gesprochen.

Tina Walter war schon immer im positiven Sinne anders und wird es wohl auch immer bleiben. Erst mit 32 Jahren kam die blonde Frohnatur zum Triathlon. Fünf Jahre zuvor war sie als Läuferin durchgestartet und gehörte schnell der deutschen Berglaufnationalmannschaft an. Ganz nebenbei war sie damals schon Mutter von vier Kindern.

Kraftpacket und starke Läuferin
Ihre Karriere als Duathletin und Triathletin startete rasant: Tina war nach kurzer Zeit eine feste Bank fürs Podium bei sämtlichen Duathlon- beziehungsweise Powerman-Rennen und feierte im Triathlon schnell beachtliche Erfolge. Unter anderem landete die ehemalige Turnerin beim Ironman Frankfurt 2003 auf dem Podium und belegte beim legendären Wildflower Triathlon in Kalifornien 2005 einen dritten Platz. Auf Hawaii war sie vier Mal am Start –  mit Rang neun stand 2004 ihr bestes Resultat zu Buche. Und sicherlich wäre noch einiges mehr drin gewesen, hätte nicht ein unachtsamer Autofahrer einige Wochen vor dem Ironman Hawaii 2005 die Athletin mit den blonden Locken unsanft vom Rad geholt. Was im ersten Moment gar nicht so schlimm erschien, ließ die damals 37-Jährige ein Jahr später ihre Profikarriere wegen massiver Rückenprobleme, die schnelles Laufen einfach unmöglich machten, viel früher als geplant beenden.

Umzug nach Kona
Dabei war ihr langfristiger Dreijahresplan – als sie mit Kind und Kegel 2005 nach Kona zog – ganz anders gewesen. „Ich wollte auf der Insel trainieren, um in den kommenden Jahren definitiv auf dem Podium des legendären Rennens zu landen. Dieser Traum war mit dem Radunfall schlagartig geplatzt, aber aufgeben wollte die Deutsche und ihr Lebensgefährte ihren großen Traum vom Leben auf der Pazifikinsel deswegen noch lange nicht, obwohl das Geld am Anfang äußerst knapp war.

Zum Glück unterstützte Tinas damaliger Sponsor Timex  ihren Versuch in Kona Fuß zu fassen von der ersten Minute an. Zunächst zu ihren aktiven Zeiten mit einem auf zwei Jahre begrenztem Athletenvisum und später – als die Profikarriere vorbei war – als Förderer der Green Card-Anträge.

Dem Sport ist Tina auch nach ihrer aktiven Triathlonzeit treu geblieben. Heute arbeitet sie als Fitness- und Personal Trainerin in Fitness-Studio in Kona. Nebenher machte die Mutter von mittlerweile sechs teils erwachsenen Kindern eine Ausbildung als Massagetherapeutin. Von diesen beiden Tätigkeiten kann sie heute gut leben: „Ich habe mir hier mein Business aufgebaut, bin bekannt und geschätzt. Außerdem kommt mir meine deutsche Zuverlässigkeit hier entgegen“, weiß die Ex-Profiathletin zu berichten.  Eine Tugend, die auf der Insel alles andere als verbreitet ist. „Auf Handwerker wartet man manchmal Tage lang. Wenn gute Wellen sind, gehen die Jungs einfach surfen und man hört gar nichts mehr“, weiß Tina aus eigener Erfahrung.

Bekannte Kunden
Zu Ironman–Zeiten hat die 46-Jährige regelmäßig alle Hände voll zu tun: Ihre Massagefähigkeiten sind sehr gefragt. Neben den Athleten vom Team Zoot und von Timex kommt beispielsweise auch Sebastian Kienle häufiger zur Behandlung vorbei. Die beiden kennen sich schon ewig. „Ich kenne Sebi seit er 18 Jahre alt ist. Wir hatten damals mit Wolfgang Rentschler den gleichen Trainer und sind sogar schon zusammen im Trainingslager gewesen,“ erzählt Tina lachend beim Gedanken an die alte Zeiten.

Heimweh nach Deutschland
Obwohl Tina und ihre Familie gut integriert sind und es ihnen in Kona gefällt, vermisst Tina unter anderem die deutschen Wälder, ihre Töchter, die in Deutschland arbeiten und studieren, ihre Familie und Freunde. „Ja, ich habe Heimweg“, gesteht Tina ehrlich  und manchmal nervt mich auch die ständige Hitze und dass es relative wenig Freizeitmöglichkeiten für die Familie gibt.“ Auch im Paradies gibt es also Normalität vor allem, wenn man hier seinen Alltag abseits des einmal jährlich stattfindenden Triathlonrummels bestreiten muss.

Tinas Tipps zum Rennen:

  1. Gerade Athleten, die vor dem Rennen mehrere Wochen auf der Insel trainieren, sollten beim Laufen auf dem Ali’i Drive Folgendes beachten: Man sollte immer auf derselben Straßenseite hoch und wieder runter laufen, da die Straße eine ungleichmäßige Neigung hat, die schnell zu Muskelproblemen führen kann.
  2. Beim Rennen immer versuchen, so oft wie möglich auf der weißen Straßenmarkierung zu laufen. Erstens hat man dann etwas worauf man sich konzentrieren kann und ist abgelekt. Zudem bekommt man auf diesem Weg  nicht so heiße Füße, da der weiße Strich in der Hitze nicht so heiß wird wie der Asphalt.

Fotos: Armin Scirmaier | tritime-magazin.de
Text: Meike Maurer

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