Floating für Sportler

Täglich sind wir Millionen von Reizen ausgesetzt, die unsere Wahrnehmung verarbeiten muss – Schwerstarbeit für unser Gehirn und Nervensystem, die mitunter in Stress münden und im schlimmsten Fall krankmachen. Ein Mittel, um Kopf und Muskeln völlige entspannung zu gönnen, heißt Floating. Was das genau ist und was es bringt, erklärt Andreas Schur.

Visuelle, akustische, olfaktorische und haptische Reize prasseln permanent auf uns ein, auch wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sind. Ein Beispiel ist das Summen des PC-Lüfters, den wir zwar auszublenden versuchen, der aber da ist, solange das Gerät läuft. Erst, wenn wir den PC herunterfahren, merken wir, wie schön die Stille ist, die auf einmal herrscht …

Die tiefste Form der Entspannung tritt dort auf, wo wir in der Lage sind, äußere Reize möglichst auszublenden. Oft ist uns gar nicht bewusst, dass unsere Muskulatur angespannt – ja, gar verspannt – ist. Hierdurch resultierende Verhärtungen beeinträchtigen unsere Leistung oder können Ausgangspunkt für länger andauernde Verletzungen sein. Doch selbst, wenn wir ruhig und scheinbar entspannt sitzen oder liegen, bleiben Muskeln kontrahiert und müssen stabilisierende Aufgaben übernehmen.

Ei mit Erleuchtung
Anders ist dies in einem Floating-Tank, in dem man eine liegende und vollkommen entspannte Position einnimmt. Der knapp 2,50 Meter lange und 1,50 Meter breite, eiförmige Floating-Tank besteht aus einer Fiberglashülle, gefüllt mit circa 300 Litern Wasser und 350 Kilogramm Salz. Die spezifische Dichte dieser gesättigten Salzlösung liegt über der des menschlichen Körpers, sodass der Floater (die Person, die im Tank liegt) auf der Wasserfläche treibt, quasi schwerelos. Die Salzlösung wird auf die Hauttemperatur des menschlichen Körpers (etwa 35 Grad) erwärmt, der Tank ist schallisoliert, damit keine störenden akustischen Reize nach innen dringen können. Ein schwaches Licht im Innern sorgt für „Erleuchtung“, gerade so viel, dass man sich im Tank zu orientieren vermag.

Wenn die Grenzen verschwimmen
Nicole Weyers, Naturheilpraktikerin aus Meersburg, bietet seit drei Jahren das Floating in ihrer Praxis an. „Es gibt auch offene Floating-Becken, doch nur der geschlossene Tank bietet meiner Meinung nach das unvergleichliche Erlebnis der Schwerelosigkeit“, ist die laufbegeisterte Schweizerin überzeugt. Nach dem Schließen des Deckels herrscht im Innern des Tanks ein angenehm warmes Mikroklima, die Grenzen zwischen Salzwasser und der darüber liegenden Luft verschwimmen.

Ein unbeschreibliches Gefühl
Schon nach wenigen Minuten entspannen sich alle Muskeln, während man an der Wasseroberfläche treibt. „Dieses Gefühl kann man kaum in Worte fassen – man muss es einfach erlebt haben“, fügt Weyers an. Wer mag, kann übrigens entspannende Musik per Unterwasser-Lautsprecher hinzuschalten. Wer aber tief in sich selbst hineinhorchen möchte, seinen eigenen Atem und seinen Puls hören will, der kann die Musik innerhalb des Tanks per Knopf ausschalten.

Der therapeutische Nutzen
Neben der beschriebenen Tiefenentspannung durch Reizarmut vermag Floating sich positiv auf das vegetative Nervensystem auszuwirken. Der hohe Salzgehalt regt den Hautstoffwechsel an, weshalb Floating von Dermatologen unterstützend eingesetzt wird. Studien zeigten auch blutdrucksenkende Wirkung. Hilfreich kann diese Entspannungsmethode ebenfalls im Stressmanagement, bei Depressionen und Burn-out-Syndrom sein. Somit ist Floating tiefenentspannende Wellness mit gesundheitlichem Zusatznutzen, die gerade Läufer einmal ausprobieren sollten.

 

Andreas Schur ist passionierter und ambitionierter Ausdauersportler mit über 100 Halbmarathon- und 48 Marathon-Teilnahmen (PB: 2:31:38 Stunden). Von 1992 bis 1997 war er als Triathlet aktiv, qualifizierte sich 1995 in Roth für den Ironman Hawaii.
Seit 2006 verfasst er als freier Autor für das Schwester-Magazin „RUNNING – Das Laufmagazin“ zahlreiche Reportagen, Ratgeber-Artikel und Kolumnen. Beruflich beschäftigt sich der Diplom-Oecotrophologe (FH) im Betätigungsfeld Marketing & Kommunikation mit den Themen Bio-Lebensmittel und nachhaltiges Handeln.

Foto: Andreas Schur

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