Trainingscamps: Mit Sinn und Verstand

Trainingsgruppe auf Mallorca | Foto: prostyle-world.de„Beim Training in der Gruppe musst du die ganzen Heißdüsen auch mal fahren lassen. Nichts ist schlechter, als in den Trainingscamps aus jeder Einheit ein Rennen zu machen. Das ist hirnlos“, sagt kein Geringerer als Faris Al-Sultan.

 

 

Und ergänzt: „Auch die Altersklassenathleten sollten im Trainingslager nicht jeden Tag ein Etappenrennen fahren. Das geht maximal eine Woche gut, aber dann haben sie sich in ihre Bestandteile aufgelöst. Ein Profi fährt nicht an irgendeinem Hügel irgendwas, er fährt, was er sich vorher überlegt hat. Das ist nicht spannend, es ist Arbeit.“

Faris Al-Sultan ist bekannt für seine klare und direkte Meinung. Angesprochen auf das Training in der Gruppe brachte es der Ironman-Weltmeister von 2005 im tritime-Interview – anlässlich seines Rücktritts vom Profisport – im Sommer 2015 mit dem einleitenden Statement auf den Punkt.

Trainingscamps im sonnigen Süden

Sicherlich verleiht ein gut organisierter Trainingsaufenthalt unter südlicher Sonne der körperlichen Fitness einen enormen Schub, er ist auch für die Moral eines Athleten enorm wichtig. Schließlich handelt es sich um den Zeitraum, in dem man sich wie ein Profi fühlt und – ungestört von Berufs- und Alltagsverpflichtungen – jeden Tag mit Gleichgesinnten trainieren kann. In den triathlonspezifischen Gesprächen des in aller Regel zweiwöchigen Aufenthaltes dreht sich fast alles um Equipment, Wettkämpfe und Trainingsdaten. Das ist verständlich und grundsätzlich auch nicht verwerflich, birgt jedoch das „Risiko“, dass etliche Campteilnehmer in einen „Motivations- und Emotionsstrudel“ geraten und sich viel zu viel zumuten, was die Umfänge und Intensitäten angeht. Insbesondere dann wenn die Nase gerümpft wird, nur weil man, anstatt in der 27-Plus- zu fahren, in der Cappuccino-Gruppe mitfährt oder am Ende des Tages kein dreistelliger Kilometereintrag mit mindestens 2.000 Höhenmetern auf dem Tachometer steht.

8 Goldene Regeln für ein erfolgreiches erstes Trainingslager

  1. Wahl des „richtigen“ Zeitpunktes
  2. Auswahl eines für den Fitnesszustand geeigneten Trainingsterrains
  3. Training im Grundlagentempo
  4. Vermeidung von Ausscheidungsrennen und Kräftemessen
  5. Verbesserung der Technik
  6. Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Trainingsmethoden
    (zum Beispiel Yoga, Pilates, Faszientraining und funktionelles Training)
  7. Trainingspause bei ersten Anzeichen von Atemwegs- und Überlastungsbeschwerden
  8. Zeitmanagement
    – nicht von Einheit zu Einheit hetzen!
    – ausreichend Zeit für Regeneration einplanen
    – Zeit für Aktivitäten abseits des Sports einplanen

Im Winter mit nur wenigen Kilometern in den Beinen neue Trainingsrekorde in den Asphalt zu brennen, mag an der Theke sicherlich Anerkennung finden, diese „Leistung“ ist jedoch ziemlich kontraproduktiv, zumal nach der Rückkehr ins kalte Deutschland die Umfänge im Alltag weder gehalten noch im Sinne eines sinnvollen Trainingsaufbaus gesteigert werden können. Deshalb sollte auch das Trainingscamp im Rahmen der Periodisierung perfekt auf den persönlichen Saisonhöhepunkt „zugeschnitten“ sein. Und im Hinblick auf den Hauptwettkampf ist es umso wichtiger, im Camp unnötigen Ränkespielen aus dem Weg zu gehen. Und blöde Kommentare können mit Verweis auf die Aussage von Faris Al-Sultan süffisant weggelächelt werden.

Text: Klaus Arendt
Foto: prostyle-world.de

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