Dan Lorang: Anne bläst sicherlich nicht zur Attacke

Mit ihrem vierten Platz bei ihrer Ironman Premiere in Frankfurt qualifizierte sich Anne Haug direkt für den Ironman Hawaii. Ihr Trainer Dan Lorang gibt Einblick in ihre unmittelbare Wettkampfvorbereitung und ihre Rennstrategie.

 

 

Dan, Anne absolviert – im Gegensatz zu anderen Profis, die eher schwülere Bedingungen suchen – das Abschlusstrainingslager auf Lanzarote. Warum?
Anne verbindet mit Lanzarote sehr viele positive Erinnerungen was Vorbereitungen angeht. Sie kann sich dort optimal fokussieren und hat mit dem Club La Santa eine perfekte Trainingsstätte. Auch wenn es dort nicht so schwül ist, so haben wir uns dieses Jahr für diese mental sichere Variante entschieden. Das hängt aber mit der Zielstellung zusammen. Alle soll Erfahrung sammeln und möglichst viele Information für das Jahr 2019 über ihren Körper auf Hawaii sammeln.

Welche Rückschlüsse habt Ihr aus den Rennen in Frankfurt und der 70.3-WM in Südafrika gewonnen?
Mit dem Rennen in Südafrika waren wir sehr zufrieden. Da waren zwei Athletinnen besser, und das muss man erstmal akzeptieren. Wir haben gesehen, dass Anne auch im Schwimmen in der Lage ist im großen Pulk mit dabei zu sein. Wenn sie das auch auf 3,8 Kilometer zeigt, dann wäre das schon ein großer Sprung in die richtige Richtung. Mit der Radleistung sind wir aktuell auch zufrieden, auch wenn wir hier sicherlich nochmals für das kommende Jahr versuchen werden, das Niveau zu erhöhen. In Frankfurt haben wir gesehen, dass die energetische Umstellung von der Kurzstrecke auf die Langstrecke sicherlich noch etwas Zeit braucht. Aber das Rennen wurde etwas auf den Kopf gestellt, weil Anne nach ihrem Platten einfach deutlich zu hart Rad gefahren ist und damit die Energietanks einfach leer waren. Ein guter Marathon war damit aus energetischer Sicht unmöglich, aber wir haben im Vorfeld keinen Druck gemacht. Anne hatte bewusst alle Freiheiten, was das Pacing angeht und sie konnte ihre Erfahrungen sammeln. Jetzt werden wir dann Stück für Stück die Puzzleteile zusammen bauen, um im kommenden Jahr dann ganz vorne dabei zu sein.

Mit Jan Frodeno konntest Du auf Hawaii jede Menge Erfahrungen sammeln: Hitze, Schwüle, Wind, Jetlag und vieles mehr. Wie sieht Annes Rennstrategie aus?
Das primäre Ziel ist es mit einem positiven Gefühl aus Kona zurückzukehren und mit dem Bewusstsein dort in den nächsten Jahre eine Medaille holen zu können. Daher werden wir versuchen das Rennen konservativ anzugehen. Beim Schwimmen ist das Ziel natürlich nochmals den Sprung in die große Gruppe zu schaffen und dann soll Anne ihr Tempo fahren und sich zurückhalten damit die Körner fürs Laufen reichen. Wir blasen dieses Jahr sicher nicht zur Attacke sondern gehen das Rennen mit dem nötigen Respekt an. Auch wenn ich viele Erfahrungen unter Anderen Jan habe, so ist die Hawaiierfahrung für jeden Athleten / in anders und man muss eine individuelle Strategie finden.

Du kennst Anne wie kaum ein anderer. An welchen Körpersignalen erkennst Du, was sie im Rennverlauf an Ansprache benötigt?
Bei Anne ist es relativ einfach zu erkennen, sie wird einfach langsamer. Der Gesichtsausdruck ist immer hoch konzentriert, und da gibt es nicht viele Unterschiede. Beim Laufen wird es dann „unrunder“ und die Körperspannung lässt nach.

Wie ist Dein Tipp für das Profirennen. Wer wird bei den Damen gewinnen und welche Platzierung traust Du Anne zu?
Top-Favorit ist Daniela und daher gehe ich davon aus, dass sie das Rennen überlegen gewinnen wird. Über Platzierungen rede ich mit Anne nicht, daher werde ich auch selbst keine Prognose abgeben.

Und bei den Herren?
Ich denke, nach Jans Ausfall wird es nochmals eine andere Dynamik geben. Es wird sicherlich ein sehr spannendes Rennen, aber ich habe ein gutes Gefühl bei Sebastian Kienle. Ich würde es ihm auch sehr gönnen. Wobei natürlich jeder Athlet, der es in Kona zum Sieg schafft, sich das hart erarbeiten muss, und daher hat es jeder verdient! Aber wie in der Vergangenheit beschäftige ich mich wenig mit anderen Athleten und habe da jetzt auch keine tiefgründige Analyse gemacht, wer das Rennen machen wird. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt.

Interview: Klaus Arendt
Foto: Bora Hhansgrohe

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