tri-cruise: Aufsteigen. Einklicken. Losfahren.

Vor etlichen Jahren verfolgte ich die spannenden Abenteuer von Elizabeth Swann, Captain Jack Sparrow und William Turner. Auch ich träumte davon, einmal auf einem Segelschiff das azurblaue klare Wasser der Karibik zu befahren. Ende 2009 war es dann endlich so weit.

 

Auf der Dominikanischen Republik checkte ich im Hafen von La Romana auf „meinem gecharterten Piratenschiff“ ein. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass ich weder auf der Black Pearl noch auf der Interceptor als Gast begrüßt wurde, sondern auf der AIDAaura. Und die Protagonisten des von mir gebuchten Bike Camps hießen nicht Keira Knightley, Johnny Depp und Orlando Bloom, sondern Steffen Wesemann, Enrico Poitschke und Bjørn Dunkerbeck. Mit weiteren siebzehn Radenthusiasten schickte ich mich an, den südkaribischen (T)Raum auf meinem Lieblingssportgerät zu erobern.

Zwischen Kakteen, Bananen und altem Gemäuer

Am ersten Reisetag trafen sich die Teilnehmer des Bike Camps nach der obligatorischen Seenotrettungsübung zur offiziellen Begrüßung. Nachdem sich alle ein wenig beschnuppert hatten und wir auf die bevorstehenden Touren eingestimmt wurden, stellte Guido Scheeren, der Mechaniker des Team Columbia, die von der AIDA zur Verfügung gestellten Crossräder individuell auf uns ein. Es konnte also losgehen. Allerdings mussten einige von uns die verbleibenden Stunden bis zur Ankunft in Aruba überstehen, ohne seekrank zu werden. Bis zu vier Meter hohe Wellen und heftiger Ostwind hielten viele Gäste davon ab, von den zahlreichen (kulinarischen) Angeboten der AIDA Gebrauch zu machen. Aruba und seine farbenfrohe ehemalige Kolonialstadt Oranjestad entschädigten dafür umso mehr. Wir ließen es locker angehen und mussten lediglich im Arikok Nationalpark einige Anstiege meistern. An üppigen Kakteen und landestypischen Divi-Divi-Bäumen vorbei steuerten wir das California Lighthouse und den Palm Beach an, wo wir die erste Tour gemütlich ausklingen ließen. Nach einem weiteren Tag auf See erreichten wir die zweitgrößte Stadt Panamas. Colón. Auch wenn die Fahrt zum berühmten Panamakanal und dem Naturpark San Lorenzo Einblicke in das mittelamerikanische Dschungelleben ermöglichten, werde ich die zahlreichen schönen, jedoch leider baufälligen Häuser im Zentrum von Colón nicht vergessen. Bleibt zu hoffen, dass auch dort entsprechende Mittel in die Restauration investiert werden. Wie zum Beispiel in der mittlerweile zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden kolumbianischen Hafenstadt Cartagena, die wir nach einem Zwischenstopp in Costa Rica mit einer Fahrt durch endlose Bananenplantagen ein paar Tage später erkundeten.

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Ruhe vor dem Sturm

Bonaire und die Venezuela vorgelagerte Isla Margarita standen ganz im Zeichen der Windsurflegende Bjørn Dunkerbeck. Lediglich auf Bonaire nutzten wir das Rad für die kurze Strecke zur traumhaft gelegenen Lac Bay. Nach der theoretischen Einweisung und ein paar Trockenübungen stellten wir im hüfthohen Wasser unseren Gleichgewichtssinn unter Beweis. Dank einiger wertvoller Tipps von Bjørn konnte ich nach ein paar ungewollten Sprüngen ins angenehm temperierte Nass immerhin in eine Richtung fahren. An meiner Kurventechnik muss ich jedoch, auch nach der zweiten Einheit einen Tag darauf auf der Isla Margarita noch feilen. Der Wind war dort einfach zu heftig und das Boot der lokalen Surfschule musste mich das eine oder andere Mal zum Ausgangspunkt zurückbringen. Sonst wäre ich wohl irgendwann auf dem 25 Kilometer entfernten Festland gestrandet und hätte die Rückfahrt zur AIDA verpasst. Diese entwickelte sich zu einem unerwarteten Highlight der besonderen Art. Im scheibenfreien Rumba-Bus versorgte uns die Reiseleiterin zu ohrenbetäubenden lateinamerikanischen Rhythmen mit einem zuckersüßen orangefarbigen Rum Punch beziehungsweise Rum pur. Ablehnung ausgeschlossen. Die ohnehin schon kurze Fahrt wurde noch kurzweiliger. Selbst bei der außerplanmäßigen Polizeikontrolle dröhnte die Musik in voller Lautstärke aus den Boxen und hinderte uns nicht daran, weiter zu feiern und zu tanzen. Am Hafen angekommen, wurden wir von den Besuchern der dort aufgeschlagenen Stände wahrlich entgeistert „begrüßt“. Gestört hat es uns nicht, denn wir alle hatten jede Menge Spaß.

Hier ist das Lächeln zu Hause

Grenada zog mich in seinen Bann. Bereits die Einfahrt in die überschaubare Bucht stellte den Inbegriff der Karibik dar. Alle Klischees wurden zu 100 Prozent erfüllt. Blaues Meer, wolkenloser Himmel, eine herrliche Uferkulisse und die bebauten Anhöhen rund um den Hafen versetzten mich gedanklich in die Zeit der großen Seefahrer und Piraten zurück. Karibik pur. Höhepunkt der 89 Kilometer langen Königsetappe war gleich zu Beginn die Anfahrt zum Gran Etang Nationalpark. Die mahnenden Hinweise von Steffen Wesemann auf die Strapazen des bevorstehenden Anstiegs hielten nur wenige davon ab, den angebotenen Fahr- und Radtransportservice in Anspruch zu nehmen. Steffen hatte nicht übertrieben. Was folgte, stellte alles in den Schatten, was ich in den vergangenen Jahren auf zwei Rädern erlebt hatte. Die Straße führte gnadenlos bergauf. Und das nicht zu knapp. Keine Zeit zum Genießen der wunderschönen Buchten inmitten einer immergrünen Natur mit erntereifen Südfrüchten. Am Ende des knapp zehn Kilometer langen Anstiegs mit einer durchschnittlichen Steigung von fünfzehn bis siebzehn Prozent, gespickt mit bis zu 22-prozentigen giftigen Rampen stand nicht nur bei denjenigen, die diese Herausforderung ohne Absteigen gemeistert hatten, das Motto der AIDA wahrlich ins Gesicht geschrieben: Hier ist das Lächeln zu Hause. Die verbleibenden Kilometer verliefen, auch mit der Aussicht auf ein „kühlendes Bad“ im 28 Grad Celsius warmen Meer, erheblich entspannter. Die Abschlussrunde am darauffolgenden Tag auf St. Lucia glich dagegen eher einer lockeren Spazierfahrt. Allerdings mussten wir entlang des Hochplateaus ein paar ziemlich gemeine Anstiege überwinden, bevor wir zur Belohnung an der Rodney Bay erneut in die Fluten der Karibik springen durften.

Wiederholung nicht ausgeschlossen

Kilometerhaie, Tempobolzer und diejenigen, die kurz vor dem Wettkampf noch einmal ein zusätzliches Trainingslager einschieben möchten, sind auf einer Rad- oder Tri-Cruise sicherlich fehl am Platz. Aber das ist auch gar nicht das Ziel dieses wirklich einmaligen Angebotes. Was kann es Schöneres geben, als mit einer traumhaften Reise das Jahr ausklingen zu lassen beziehungsweise die neue Saison sportlich einzuläuten. Zudem bietet das Camp genügend Zeit und Raum für individuelle Aktivitäten im Kreis der mitgereisten Familie. Ich persönlich nehme sehr viele unterschiedliche Eindrücke von dieser Reise mit nach Deutschland, habe ich bei den Ausfahrten doch Ecken und Stellen der Anlaufgebiete zu Gesicht bekommen, die ich als Pauschaltourist sonst nie angesteuert hätte. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

Text: Klaus Arendt
Fotos: Armin Schirmaier

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