Den passenden Triathlon-Coach finden – Teil 2

Welche Trainingstools verwendet Stephan VuckovicIm zweiten Teil der Coaching-Serie von Stephan Vuckovic geht Stephan auf Trainingstools- und -gatches ein, die er als Trainer im Einsatz hat.

 

Hier geht’s zu Teil 1 „Den passenden Triathlon-Coach finden“ … in diesem Artikel gibt Stephan Vuckovic einige Denkanstösse, wie man sich am besten auf Trainersuche begibt. .

Trainingstools- und  -Apps im Einsatz

Mittlerweile gibt es jede Menge Trainingsapps und -tools und ehrlich gesagt, habe ich mich noch nicht annähernd mit allen beschäftigt, weil ich mit meiner jetzigen Ausrüstung all das machen und auswerten kann, was ich will und brauche. Einen kleinen Überblick kann ich dennoch gerne geben.

Egal, ob ich Anfänger oder ein erfahrener Athlet bin, regelmäßige Leistungstests und ein einfacher Pulsmesser einzusetzten, sind für mich ein MUSS! Mit den Leistungstests sieht man, wie es um den Stoffwechsel steht, wie die Grundlagen sind und wo man im Training ansetzen muss. Mit dem Pulsmesser kann man vorgegebenen Pulsbereiche mit Leichtigkeit einhalten. Ich weiß, dass jetzt einige Leute sagen, dass der Puls nicht jeden Tag gleich und somit nicht zur Trainingssteuerung geeignet ist. Ja, es stimmt, dass der Puls an manchen Tagen schwankt, aber es gibt immer Gründe dafür, warum ein Puls höher oder niedriger ist und ein guter Trainer kann diese Änderungen einplanen beziehungsweise richtig auswerten.

Neben diesem MUSS gibt es für mich jede Menge KANNS, wobei ich mich hier nur auf einige wenige beschränken möchte:

Mann KANN sich nun auch einen smarten Pulsmesser besorgen, der neben Puls auch noch viele andere Dinge wie die Geschwindikeit oder die bewältigte Strecke anzeigt, aber auch ein Auswertungstool bietet. Hier habe ich die besten Erfahrungen mit Garmin und der App Garmin Connect gemacht. Die Nutzung der Uhr als auch der App sowohl als Athlet als auch als Coach ist sehr einfach und alle für meine Auswertung nötigen Daten werden von dieser App zuverlässig und schnell geliefert. Will ich mit den Auswertungsmöglichkeiten noch eine Stufe weiter gehen, kann ich mich zum Beispiel für ein paar Euro im Monat bei TrainingPeaks anmelden. Dort findet man alles, was das Herz begehrt. Neben sämtlichen Werten über Herzfrequenz, Geschwindigkeiten, Wattwerten etc., gibt dieses Tool beispielsweise auch Prognosen über die aktuelle Form, den Fitnesszustand und die Müdigkeit an. Diese Angaben würde ich jedoch aus eigenen Erfahrungen mit ein klein wenig Vorsicht genießen.

Trainingsequipment

Was Trainingsutensilien angeht, ist sicherlich vor allem im Winter ein Hometrainer oder eine Rolle ein KANN. Hier kann man von einer einfachen Rolle bis hin zum App gesteuerten Watttrainern einiges Geld in Equipment stecken. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit dem Wahoo Kickr gemacht, der mit  über 1.000 Euro nicht ganz billig ist, aber das Radtraining daheim im Keller sehr leicht über eine kostenfreie App steuern lässt. Mit dieser App kann man auf „Knopfdruck“ die Wattzahlen in sekundenschnelle und extrem genau (circa 1 bis 2 Prozent) verändern.

Eine deutlich leisere Variante wäre die neue  Rolle „Neo Smart“ von Tacx, falls andere Leute im Haus etwas lärmempfindlich sind. Bei beiden Rollen muss man das Hinterrad rausnehmen und den Rahmen in die Rolle einspannen. Ein großer Vorteil von diesesm System ist, dass der Mantel nicht verschleißt.

Will ich lieber ein stationäres Rad daheim stehen haben, kann ich zum Beispiel ein Wattbike nur wärmstens empfehlen. Das Wattbike zeigt die Wattwerte auf 1 bis 2 Prozent genau an. Es wird über eine Magnet- und Windbremse gesteuert und bietet ein Fahrgefühl wie auf der Straße. Ganz leise ist dieses Trainingsgerät allerdings auch nicht und es hat zudem den kleinen Nachteil, dass bei älteren Geräten die Pedale etwas weiter auseinander stehen als bei einem herkömmlichen Straßenrad. Dennoch ist dieser Hometrainer vom Fahrgefühl nahezu unschlagbar.

Training mit Zwift

Zuletzt will ich noch ein Spielzeug, Trainingsutensil bzw. „Rollentraining-kurzweilig-mach-Programm“ nicht unerwähnt lassen. Mit Zwift kann ich meinen (kompatiblen) Rollentrainer mit einer virtuellen Welt koppeln. Hierbei kann ich zum Beispiel auch eine App auf dem Smartphone oder ipad nutzen und diverse virtuelle Strecken alleine, in der Gruppe oder mit Freunden fahren. Bei diesem freien Fahren werden die Widerstände (Watt) entsprechend der Streckenführung übertragen, bergan muss man mit mehr Watt treten als bergab und im Windschatten anderer Fahrer reduzieren sich die Wattwerte zudem automatisch. Andererseits kann man auf Zwift vorgefertigte strukturierte Trainingseinheiten nutzen oder eigene Trainingseinheiten mit Wattvorgaben wie zum Beispiel Intervalltraining entwerfen. Zwift kann auch mit (kompatiblen) Laufbändern genutzt werden.

Die Krönung wäre daher, wenn der Coach das Trainingsprogramm für den Athleten über Zwift schickt und der Athlet sich nur noch auf den Rollentrainer setzen und auf Start drücken muss. Das Programm verändert mit der Zeit automatisch die Widerstände am Rollentrainer und der Athlet kann seine Trainingseinheit ohne großes Nachdenken und Vorbereiten abspulen.

Trainingspläne  und Trainingsbereiche

Meine oberste Devise, lautet wie bereits erwähnt, dass ich ohne Leistungstests keine Athleten betreue. Am Anfang mache ich Leistungstests auf dem Rad und beim Lauf sowie eine Schwimmanalyse mit meinen Athleten. Anhand dieser Laktattests sehe ich genau, was dieser Athlet in den letzten Wochen/Monaten/Jahren trainiert hat, wie gut die Grundlage ist, wo die Defizite und Schwächen sind und wo genau in den nächsten Wochen im Training anzusetzen ist. Diese Tests sind keine standarisierten Tests, da ich viel genauere Abstufungen bei meinen Tests haben will. Werden zum Beispiel bei manchen standardisierten Lauftests die Stufen um 2km/h gesteigert, kläre ich im Vorgespräch mit dem Athleten,die für mich relevanten Zonen ab und teste nur einen Abschnitt von circa 2km/h ab. Auf diesem kleinen Abschnitt habe ich allerdings fünf bis sieben Messungen im Vergleich zu zwei Messungen auf diesem Abschnitt bei standardisierten Tests. Auch ist die Testdauer pro Stufe bei Minimum fünf Minuten angesetzt, da die Werte umso genauer werden, je länger ich auf den Stufen verweile.

Aufgrund von diesen Tests lege ich die Trainingsbereiche fest. Geändert werden die Bereiche durch später durchgeführte Tests oder aber durch Leistungsentwicklungen, die ich bei der Auswertung der Trainingsdaten feststelle.

Außerdem sind diese Tests ein sehr gutes Mittel, eine Entwicklung in objektiven Zahlen zu haben, anhand derer man auch dem Athleten zeigen kann, dass sich das Training und das Investment in den Coach lohnen. Trainingspläne verschicke ich immer nur für eine Woche, nachdem ich die vorige Woche des Athleten – meist mit Garmin Connect – ausgewertet habe und der Athlet mir sein Zeitbudget für die kommende Woche geschickt hat. Die Inhalte variieren je nach Wünschen und Möglichkeiten des Athleten.

Stephan Vuckovic ist Ex-Triathlonprofi, Ironman-Sieger und Silbermedaillengewinner der Olmypischen Spiele in Sydney 2000 im Triathlon. Heute ist er auf Schwimm- und Triathloncamps u.a. auf Lanzarote spezialisiert sowie auf individuelle Atheltenbetreuung. Mehr Infos unter www.premium-training-camps.de

 

Text: Stephan Vuckovic
Foto: privat

 

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