Habt den Mut, Neues auszuprobieren!

Trailrun_Susa_Julian_Schiemann_PACWarum man gerade jetzt eine neue Sportart oder Bewegungsform ausprobieren und etwas gegen die Monotonie im Training tun sollte, erklärt Triathlontrainerin Susanne Buckenlei.

 

Als Triathleten haben wir das Glück, dass wir durch die drei verschiedenen Sportarten –  mit Athletik- & Krafttraining sind es sogar vier – bereits eine große Varianz an Bewegungsmustern mitbringen. Dennoch gibt es Muskelregionen im Körper, die bei Triathleten vernachlässigt werden, das liegt häufig daran, dass wir immer die gleichen Bewegungsmuster trainieren.

Es gilt, neue muskuläre Reize zu setzten
Alternative Sportarten wie zum Beispiel Wandern, Skiken, Langlaufen, Schneeschuhgehen oder aber auch diverse Ballsportarten und Skifahren ect. sprechen andere Muskelgruppen auf andere Weise an. Ein großer Unterschied liegt häufig in der Dynamik der Bewegungen. Ausdauersport wird meist durch Monotonie und Gleichmäßigkeit bestimmt, somit darf es in der Übergangszeit gern auch mal etwas dynamischer werden. Hier eigenen sich beispielsweise Ball/Spielsportarten, Gymnastik, Crossfit oder auch Zirkeltraining. Auf der anderen Seite kann man in der sogenannten „Off-Season“ natürlich weiterhin im ruhigen Ausdauerbereich, aber eben variabel und vor allem wirklich ruhig trainieren. Als Triathleten sind wir zudem trotz Schwimmeinheiten sehr beinlastig unterwegs, somit bieten Sportarten mit Stockeinsatz wie Langlaufen, Skiken, Rollerski oder auch Inlinern mit Stöcken beispielsweise eine perfekt Möglichkeit, das Training von Rumpf und Oberköper mehr in den Fokus zu stellen.

Der Kopf liebt Abwechslung
Alternatives Training wirkt nicht nur gegen Langeweile, sondern es nimmt einem auch jeglichen Zeit- und Kontrolldruck. Wenn wir normalerweise Laufen, Radeln oder Schwimmen kontrolliert bei vielen Athleten die Uhr jede Bewegungen. Wir vergleichen die erbrachten Ziele mit Referenzwerten und Trainingsvorgaben bzw. -zielen. Selbst wenn man sich vornimmt, in der Übergangszeit nur locker unterwegs zu sein, schielt man all zu gerne auf die Uhr und vergleicht die Zeiten automatisch mit den Zeiten der vorherigen Saison. Wichtig ist, dass man den Mut zur Unkontrollierbarkeit hat und ganz bewusst Zeiten einlegt, in denen man weder die Vorgaben noch die Analyse des Trainings zu 100 Prozent steuern kann. Im ersten Schritt erscheint dieses Training ineffektiv und wie verlorene Zeit. Die Reaktionen der Athleten zeigen mir als Trainerin aber immer wieder, dass diese Zeit häufig die Basis für den späteren Erfolg in der Saison ist. Wenn es auch anfangs weder dem Trainer noch dem Athleten leicht fällt, ohne genaue Trainingssteuerung zu arbeiten.

Egal welche Bewegung, Anpassungsprozesse laufe immer im Körper
Gerade für die Athleten, die in ihrer Laufbahn mit den Themen Überlastung und Übertraining bereits konfrontiert wurden, sind Phasen des Übergangs- und Alternativtrainings besonders wertvoll. Diese Phasen verhindern das erneute Abrutschen in den Tunnel des lähmenden Leistungsdrucks und schaffen neue Energie im Kopf.
Und das weiß eigentlich jeder: mentale Stärke, Frische und Motivation sind Grundvoraussetzungen für langfristigen Erfolg und Leistungsfähigkeit. Dass zum Beispiel die Vorgabe eine Woche nur zu Wandern, oder wenn möglich Schneeschuh zu laufen kombiniert mit Zeiten des „Nichtstuns“ dabei helfen kann, ist häufig schwer zu glauben. Dabei darf man nicht vergessen, dass im Körper egal bei welcher Disziplin, Stoffwechsel- und Anpassungsprozesse ablaufen, die am Ende für jede Sportart wichtig sind. Zum Beispiel schafft die Steigbewegung beim Wandern einen enormen Kraftreiz, den wir später zum Beispiel beim Fahren im Wiegetritt benötigen. Der Stockeinsatz beim Skiken wiederum ähnelt der Zugbewegung beim Schwimmen und verlängert daher auch die Bewegung im Wasser – eine Schwachstelle vieler Athleten in der ersten Disziplin. Gleichzeitig bekommen vernachlässigte Muskeln neue Impulse.

Routine sorgt nicht für neue Reize
Ich erlebe es häufig, dass am Ende der Saison bereits nach ein, zwei Wochen Pause meine Athleten mir die Frage nach „normalen Trainingsstrukturen und geregeltem Training“ stellen. Wenn man bedenkt, wie Leistung entsteht, nämlich durch Anpassungsreaktionen, die wiederum eine Antwort des Körpers auf einen Reiz in Form von Training sind, dann wird klar, dass mit Routine, Wiederholungen und festen Strukturen dauerhaft nicht viel bewirkt werden kann. Wir müssen die Reize wirksam gestalten und den Kopf und Körper dabei frisch und aufnahmefähig halten. Haben wir den Körper und Kopf effektiv aus seiner Routine und fast schon Stupidität des Trainings geholt, dürfen auch wieder geltende Standards im Training und Schlüsseleinheiten auf dem Programm stehen, denn dann werden diese auch wieder den gewünschten Effekt und Erfolg haben.

Fazit: Habt öfters den Mut, neue Wege zu gehen und neue Dinge auszuprobieren!

Trailrun_Susa_Julian_Schiemann_PACText: Susanne Buckenlei – www.professional-endurance-team.de
Fotos: Julian Schiemann

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.