Sonja Tajsich: wenn der Motor läuft, dann läuft er

Sonja Tajsich startet zum siebten Mal bei den Ironman Weltmeisterschaften auf Hawaii. Nach einem DNF und zwei Jahren Pause möchte die Regensburgerin den jungen Wilden zeigen, dass ein Diesel nicht zu unterschätzen ist.

 

Sonja, mit 41 Jahren bist Du die dienstälteste Profiathletin im Teilnehmerfeld. Wie fühlt sich das an?
Voll cool eigentlich. (lacht) Glücklicherweise fühle ich mich gar nicht so alt. Außerdem finde ich im Ausdauersport und gerade bei den wirklich langen Distanzen das Alter nicht so entscheidend. Natürlich fehlt die Spritzigkeit, weshalb ich persönlich auf der Mitteldistanz nie mehr Fuß fassen werde, aber im Alter bist Du in der Lage, recht lange eine konstante Geschwindigkeit zu halten. Wenn der Motor einmal auf Touren ist und gleichmäßig läuft, ist auch ein Diesel schnell. Und gepaart mit der Erfahrung des Sportlers nicht zu früh zu viel wollen ist das auch ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Mit welchem Gefühl bist Du vor knapp einer Woche aus dem Flugzeug gestiegen?
Mei, das war total schön. Ich muss zugeben, dass ich Hawaii noch nie mit den Augen gesehen habe wie heuer. In der Vergangenheit war immer der Druck da, und das hat mich – rückblickend betrachtet – sicherlich auch irgendwie blockiert. Nach einem verkorksten ersten Mal im Jahr 2004, stand danach immer eine bessere Platzierung im Fokus. Natürlich waren der siebte und vierte Platz letztendlich sehr gute Ergebnisse, aber der Druck vor und im Rennen war schon immens. Alles war ausschließlich auf den Wettkampftag ausgerichtet. Und all das ist jetzt hier und heute ganz anders.

Und wie macht sich das bemerkbar?
Das ist eigentlich ganz einfach, denn all das, was jetzt kommt, ist on top, schließlich hatte ich meine Karriere und insbesondere Hawaii nach dem Ermüdungsbruch und der zweiten Schwangerschaft schon abgehakt …

… wäre da nicht Deine älteste Tochter ins Spiel gekommen …
Das stimmt, letztendlich war es ja auch Lisa, die mich davon überzeugt hat, noch einmal als zweifache Profi-Mama durchzustarten. Ich habe es schon das ganze Jahr über genossen, völlig frei und unter dem Radar mein Ding zu machen. Mich hat ja keiner mehr auf der Rechnung, niemand erwartet etwas von mir, denn alle Augen sind auf die anderen Athletinnen gerichtet. Diese Saison ist einfach ein Geschenk, denn ich muss nicht, ich darf, und das hat einen ganz anderen Wert. Und so liegt es an mir, das DNF von vor zwei Jahren wieder wettzumachen.

Bei Deinem vierten Platz war beim Marathon keine Mitstreiterin schneller. Wie sehr motivieren Dich auch fünf Jahre danach diese 2:59:27 Stunden?
Ungemein viel. Allein der Gedanken daran verursacht bei mir immer noch eine Gänsehaut. Dieses Rennen werde ich nie vergessen, denn es hat mir einfach gezeigt, dass Hawaii seine eigenen Gesetze hat. Du musst wirklich bis zum letzten Meter kämpfen und dich zu keinem Zeitpunkt hängen lassen, selbst nach einem wirklich schlechten Schwimmen. Auf den verbleibenden 222,2 Kilometern kann noch so viel passieren.

Hast Du in Deinem Training im Vergleich zu den früheren Jahren viel verändert?
Eigentlich nicht. Nach meinem zweiten Platz in Brasilien konnte ich aufgrund einer schmerzhaften Entzündung im Sitzbein vier Wochen nicht laufen. Obwohl ich während der Laufpause nur auf dem Crosstrainer war, absolvierte ich Anfang Juli in Frankfurt den abschließenden Marathon in 3:07 Stunden. Heute bin ich davon überzeugt, dass mir diese Verletzung nicht geschadet hat, im Gegenteil. Auch wenn im August die Organisation der Challenge Regensburg noch sehr anstrengend war, konnte ich mir in den Wochen danach, unter anderem auch auf Lanzarote, den letzten Feinschliff holen.

Hast Du Dich bereits an die Zeit- und Klimaumstellung gewöhnen können?
Glücklicherweise habe ich kein Jetlag-Problem, und auch mit den Temperaturen komme ich sehr gut klar. Wie in den letzten Jahren gehen wir jeden Abend zwischen um 19 und 20 Uhr schlafen, stehen um 4 Uhr auf, sodass wir uns auch für die Nacht vor dem Renntag nicht umstellen müssen. Während Lisa daheim geblieben ist und die Schulbank drückt, ist unsere Jüngste total pflegeleicht. Sie schläft tief und fest durch, und letztendlich sind es mein Mann Tom und ich diejenigen, die sie wecken müssen.

Was ist Deine ganz persönliche Erwartungshaltung für nächsten Samstag?
Da bin ich ganz ehrlich, ich habe mehrere, schließlich fahre ich ja nicht zum siebten Mal nach Hawaii, um hier das schöne Wetter zu genießen. Mein oberstes Ziel, also das Fundament, ist das Erreichen der Ziellinie. Damit würde das DNF von 2013 endgültig der Vergangenheit angehören. Wenn ich meine Trainingsleistung abrufen kann, ist eine Top 10 mehr als realistisch und mein erklärtes Ziel. Und wenn von der Göttin Pele dann noch ein Bonus vergeben wird, liebäugel ich mit Rang 5, das Podium hingegen wäre mein absoluter Traum.

Dann wünsche ich Dir, dass Du am 14.10. nach dem Zieleinlauf Dein 30. Langdistanzfinish ausgiebig feiern kannst.

Interview/Foto: Klaus Arendt

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