Jan Frodeno: vegetarisch zu Höchstleistungen

Auch 2017 führt der Sieg bei den Ironman World Championship über Jan Frodeno. Im Vorfeld seiner insgesamt vierten Teilnahme hat der zweifache Hawaii-Sieger an verschiedenen Stellschrauben gedreht.

 

Jan, um die Reihe unserer „besonderen“ Auftaktfragen fortzusetzen, möchten wir von Dir gerne wissen, welche besondere Beziehung Du zum Buchstaben A hast?
Das höre ich derzeit sehr häufig von meinem Sohn. (schmunzelt) Aber da wollt ihr sicherlich nicht drauf hinaus. Der Buchstabe A steht für mich umgangssprachlich für die 1, to bring your A-Game, und das ist es auch, wonach ich immer strebe. Trotzdem musst Du mir einen kleinen Hinweis geben, worauf Du wirklich hinaus möchtest?

Stichwort Sponsoren!
(Strahlt) Ganz klar: Asics, All Nippon Airways und Allianz. Asics ist mein erster großer Sponsor. Seit 2003 verbindet uns eine sehr enge Partnerschaft durch alle Hochs und Tiefs. ANA hat mir die Reisewelt über Japan eröffnet. Tokyo habe ich echt lieb gewonnen, was ich wirklich nicht gedacht hätte, und deshalb verbringe ich dort bei meiner Durchreise nach Hawaii sehr gerne 48 Stunden, und demnächst sicherlich auch mehr. Die Allianz ist aus meiner Perspektive der ganz große Wurf in diesem Jahr. Das ist schon eine ganz neue Welt und für mein Team und mich einfach gigantisch, dass so ein Konzern den Sport für sich entdeckt. Das passt im übertragenen Sinne wie die Faust aufs Auge.

Welche Aufgaben wirst Du im Rahmen dieser Zusammenarbeit übernehmen?
Im Prinzip geht es darum, dass ich als Markenbotschafter den privatversicherten Kundenbereich zum Sporttreiben animieren möchte. Wenn ein Arzt beispielsweise seinem Patienten empfiehlt, bestimmte Sportarten auszuüben, dann ist das im ersten Moment sicherlich nicht ganz so emotional, glaubwürdig oder auch animierend, als wenn ich gemeinsame Events mache oder auch Trainingsempfehlungen gebe. Für uns ist es auch eine Riesenchance, all die Ideen, die wir in den letzten zehn Jahren gesammelt haben, jetzt auch umzusetzen.

Ich bleibe noch beim Thema Gesundheit: Du ernährst Dich seit einigen Monaten vegetarisch. Wie kam es dazu?
Neben ethischen Gründen gab es Anfang des Jahres wieder irgendwo einen Clenbuterol-Fall. Auch wenn ich das meiste Fleisch aus biologisch kontrollierter Züchtung gegessen habe, überwog letztendlich auch die Sorge, bei meinen vielen Reisen irgendwo ein Steak oder Stück Fleisch zu essen, das belastet ist. Das geht ebenso wenig wie der Kauf irgendeines Nahrungsergänzungsmittels in Amerika. Und dieses Risiko darfst du als Profisportler einfach nicht eingehen. Ich habe das dann ausprobiert und mich echt schnell so richtig gut dabei gefühlt. Und deshalb bin ich auch dabei geblieben.

Gleichst Du fehlende Mineralstoffe aus?
Da ich schon seit klein auf unter chronischem Eisenmangel leide, nehme ich Eisentabletten, ansonsten nur Magnesium, was ich aber vorher auch schon zu mir genommen habe, weil es einfach meiner Muskelstruktur geschuldet ist.

Inwiefern hat sich die Ernährungsumstellung auf Dein Gewicht ausgewirkt? Viele kennen das Bild von Dir, als Du im Energy Lab mit nacktem Oberkörper trainiert hast. Große Fettreserven sind da nicht zu erkennen …
Es ist ja nicht so, dass sich das von heute auf morgen entwickelt hat, definitiv jedoch nicht durch eine Diät, sondern durch Training. Im Rahmen der Umstellung zum Vegetarier habe ich viel ausprobiert, auch bei langen Trainingseinheiten und kam – gerade auf dem Rad – teilweise auch deutlich länger in Fettverbrennungsbereiche, ehe ich dann Energie zu mir nehmen musste. Insofern bediene ich mich in diesen Tagen reichhaltig in der Küche und bin dann auch zuversichtlich, dass am Samstag auch genügend Energie am Start ist. Das war schon immer so, dass ich damit sehr gut klar komme, jedoch dafür halt mehr mit der Kälte zu kämpfen habe.

In einem Interview hast Du gesagt, dass Du an 365 Tagen einfach alles auf Kona ausgerichtest. Gibt es bei Dir wirklich keinen einzigen „Sumpftag“, bei dem Du Dich so richtig gehen lässt?
Klar gibt es die, aber das ist eben genau der Schlüssel. Solche Sumpftage sind bei mir nicht geplant, das passiert einfach. Wenn ich richtig Bock auf eine Pizza habe, und da denke ich auch gar nicht groß drüber nach, dann gibt es die einfach. Danach gibt es auch kein schlechtes Gewissen. Ich weiß inzwischen, dass ich mir das in diesen Fällen dann auch gönnen muss. Das ist lange nicht so verkrampft, wie es früher einmal war. Mir wird ja immer der Ruf des Professionellen nahegelegt, und dass das immer so mechanisch und versteift rüberkommt. Inzwischen ist das ja eigentlich viel, viel entspannter, denn diese Lockerheit ist letztendlich auch das, was mir zum Erfolg verholfen hat.

Stichwort Erfolg: Du hast angekündigt, Deinen Titel zu verteidigen, weil alles andere eine Niederlage und mit Versagen zu tun hat. Wie sehr brauchst Du diesen selbst auferlegten Druck?
Die Vorgabe ist ja inzwischen vordefiniert. Egal wo ich starte, ein Sieg wird einfach von mir erwartet. Und daran hat sich auch bei mir nichts geändert. Ich bereite mich nicht ein Jahr vor, um am Ende vielleicht ein tolles Rennen zu haben und in den Top 5 zu sein. Das war schon immer ich, das war schon immer mein Anspruch, das ist schwarz oder weiß und so ist nun mal Erfolg definiert. Natürlich wird das dann immer hoch gekocht und als polarisierende Aussage dargestellt, aber das liegt aber vielleicht auch daran, dass meine Konkurrenten meistens sagen, ich möchte ein tolles Rennen machen. Und gewinnen möchten wir alle!

Dann lassen wir uns am Samstag einfach überraschen, ob nach Dave Scott, Mark Allen, Peter Reid und Craig Alexander mit Jan Frodeno ein weiterer dreifacher Ironman Hawaii-Sieger im Ziel begrüßt wird.

Text: Klaus Arendt
Fotos: Press & Fotoagency Rhein Main

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