Eva Buchholz: das tiefe Tal der Tränen liegt hinter mir

Eva-Cathérine Buchholz gewann 2011 bei der 70.3-EM in Wiesbaden ihre Altersklasse, im selben Jahr wurde sie Dritte bei der 70.3-WM in Las Vegas. Ein Jahr später folgte der Deutsche Meistertitel bei der Elite auf der Mitteldistanz in Immenstadt. Danach wurde es ruhig um die 32-Jährige.

 

Eva, als Altersklassensiegerin konntest Du Dich in Frankfurt bei Deiner ersten Langdistanz direkt für Hawaii qualifizieren. Welche Momente von diesem Rennen sind Dir noch ganz besonders präsent?
Ehrlich gesagt, gar nicht so viele. Das mag sich zwar komisch anhören, aber ich war in den vergangenen Monaten in Gedanken bereits zu sehr auf Hawaii ausgerichtet. Frankfurt ist dadurch gar nicht mehr so präsent. Wenn ich daran denke, freue ich mich darüber, dass es ein super toller Tag war, das war es dann aber auch, nicht mehr und nicht weniger. Aber Gänsehaut bekomme ich keine mehr.

Das klingt ziemlich abgeklärt …
Das ist es auch. Mit Frankfurt verbinde ich die Glücksgefühle beim Start, dass ich das Rennen tatsächlich aufnehmen konnte. Der schönste Moment war jedoch der Tag vor dem Rennen, als ich morgens nach dem „Brötchenholenlauf“ feststellte, dass ich wirklich starten kann. Auch wenn mein Mann Gregor lapidar meinte „das war ja wohl klar“, war es das für mich erst zu diesem Zeitpunkt. Bei meinem Pech hätte ich in letzter Minute auch noch umknicken oder mir was auch immer noch zuziehen können. Ich habe bis über beide Ohren hinweg gestrahlt, denn ich war so unendlich dankbar, dass mein Fuß, mein Knie, meine Hüfte, eigentlich der komplette Bewegungsapparat in den letzten Wochen keine Verschleißerscheinungen gezeigt haben und somit mein Traum von der Langdistanz endlich in Erfüllung gehen konnte.

Du hast es indirekt angesprochen, in den letzten Jahren bist Du verletzungsbedingt durch das tiefe Tal der Tränen gegangen …
In der Tat, nach dem Sieg in Immenstadt führte eine Kombination aus Übertraining und diversen Dysbalancen dazu, dass ich mit dem Laufen komplett aussetzen musste. Ich habe aus der Vergangenheit gelernt und weiß jetzt, was ich meinem Körper zumuten kann und was nicht. Ich bin definitiv immer zu viel gelaufen, habe jahrelang nichts gemerkt und auf einmal fingen die Probleme an. Fünf, zehn Kilometer nach dem Radfahren sind halt nichts, und wenn du dich gut fühlst und dann mal eben weitere fünf und mehr Kilometer drangehängt werden, rächt sich irgendwann der Körper. Und bei mir war das halt ganz extrem.

Du bist selbständige Osteopathin und Helpraktikerin. Medizinern wird bekanntlich nachgesagt, dass sie ihre schwierigsten Patienten sind.
Der Sportler in mir möchte natürlich immer mehr, die Osteopathin hält dann zum richtigen Zeitpunkt mit dem Hinweis auf die Stoßbelastungen beim Laufen auf Asphalt dagegen. Insofern halten sich Engelchen und Teufelchen die Waage.

Wie sieht ein normaler Tag im Leben der Eva-Catherine aus?
Der ist schon ziemlich durchgetaktet. Ich bin nicht der Typ Mensch, der sich tagsüber auf die faule Haut legt. Ich benötige vielmehr eine feste Struktur, die habe ich mir geschaffen und macht mich insgesamt sehr zufrieden. Ich gehe bis zu sechsmal um sechs Uhr in der Früh schwimmen, ab 8.00 Uhr kommen die ersten Patienten. Aufgrund meiner Selbständigkeit kann ich diese Termine so legen, dass ich – ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Altersklassenathleten – abends nicht mehr trainieren brauche.

Auf welche Dinge musstest Du in diesem Zusammenhang in den letzten Monaten verzichten?
Um ehrlich zu sein, auf rein gar nichts. Unabhängig vom Triathlon fahre ich für mein Leben wahnsinnig gerne Rad, unterwerfe mich keinem Trainingsplan und kasteie mich auch nicht bei der Ernährung. Heute weiß ich schon, dass ich nach Hawaii wieder jeden Morgen zum Schwimmen gehe, denn das – da kommt wieder die Osteopathin durch – ist gut für meinen Rücken, die Körperhaltung, schont die Gelenke und ist gut für meine Ausdauer.

Welchen Anteil hat Dein Mann Gregor an Deinem Erfolg?
Aufgrund seiner langjährigen DTU-Kaderzugehörigkeit hat Gregor zunächst einmal riesengroßes Verständnis für mich und die langen Trainingszeiten an den Wochenenden. Nachdem sich in den letzten vier Jahren alles um ihn drehte (lacht), war ich jetzt mal an der Reihe. Vor dem Hintergrund, dass Gregor im Jahr eins nach seiner Triathlonkarriere von dem Sport erst einmal Abstand gewinnen wollte, hat er mich wirklich super unterstützt. Sicherlich habe ich ihn am Anfang auch das eine oder andere Mal überreden müssen, mit zum Sport zu kommen. Besonders das frühe Schwimmen war gar nicht sein Ding, aber einmal im Wasser, hat es ihm doch sehr viel Freude bereitet.

Einwurf Gregor Buchholz
Ohne Eva hätte ich sicherlich die eine oder andere Stunde auf der Couch abgehangen. Aber so war es für mich das ideale Sportprogramm, einerseits um fit zu bleiben, andererseits auch ein wenig abtrainieren zu können. Dass das ganze Drum und Dran mich jetzt auch angefixt hat, ist nicht ganz von der Hand zu weisen beziehungsweise liegt nicht mehr jenseits meiner Vorstellungskraft.

Welchen Stellenwert hat in Deiner Karriere die Hawaii-Teilnahme?
Auch wenn ich 2011 und 2012 zahlreiche nationale und internationale Titel auf der Mitteldistanz gewinnen konnte, hat für mich die Kona-Qualifikation einen weitaus höheren Stellenwert. Und emotional ist das hier und jetzt auf jeden Fall mein sportlich größter Erfolg.

Was wünscht Du Dir für den Renntag?
Ich wünsche ich mir gute Arme und Beine, die mich durch den Tag bringen. Ich kann Radfahren, da bin ich stark und darauf freue ich mich. Und dass die Laufstrecke ein paar Höhenmeter aufweist, stört mich ebenfalls nicht wirklich, schließlich trainiere ich im Taunus und bin kurze giftige Anstiege gewöhnt. Vom Ergebnis her wäre es schon cool, wenn sich die Geschichte von vor sechs Jahren wiederholen könnte: Platz 1 bei der EM und Platz 3 bei der WM. Das wäre echt ein Brett, aber dazu bedarf es schon einen richtig guten Tag.

Dann wünsche ich Dir, dass Du am kommenden Samstag gut durch den Tag kommst

youtube-Kona-Blog Eva und Greg Buchholz

Interview: Klaus Arendt
Foto: Gregor Buchholz

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