Legenden des Triathlonsports: Zoot

Menschen verbinden mit Vor- und Nachnamen Erinnerungen und persönliche Erlebnisse. Was für Namen gilt, ist nicht nur auf Orte, Regionen und Länder übertragbar, sondern ohne Weiteres auch auf Unternehmen und deren Produkte.

 

Im Triathlonsport zum Beispiel denken die meisten Athleten bei der Marke Zoot unmittelbar an Kona. Nicht umsonst werden die Produkte der mittlerweile in Carlsbad bei San Diego ansässigen Firma mit dem Slogan „born in Kona“ beworben. Ein Grund mehr, im Rahmen der Ironman World Championship nach den ursprünglichen Wurzeln zu suchen.

Fündig wurde ich 2014 auf der Ironman-Expo: Dort traf ich auf dem Messestand der Firma Zoot Christal Nylin. Anhand von vergilbten Aufzeichnungen und Fotos gab mir die jung gebliebene Mittsechzigjährige einen interessanten Einblick in die Anfänge des Unternehmens, das ihren Unterlagen nach bereits 1982 in Hawaii gegründet und registriert wurde. Die Marke „Zoot Hawaii“ selbst wurde erst 1990 markenrechtlich geschützt und in das Warenregister eingetragen.

Als sich in den frühen Achtzigern der Ironman in Kona etablierte, arbeitete Christal Nylin als Designerin für Arbeitshosen aus Jeansstoff und Bademoden. Und da einige ihrer Freunde sich auf das Rennen vorbereiteten, wurde sie gefragt, ob sie nicht eine Kombination aus Radhose und Top in einem Stück schneidern könnte. Da so etwas überhaupt noch nicht existierte, begab sich die junge Künstlerin mit viel Freude und großem Engagement direkt an die Arbeit. Die Kombination aus Passform, Komfort und entsprechender Funktionalität forderte sie heraus. Und da sie für jeden ihrer Freunde ein individuelles Design entwarf, glich kein Triathlonanzug dem anderen. Auf die Frage, wie sie denn auf den Namen Zoot kam, antwortete Christal Nylin: „Although different stories spread around, the catchey name came from one suit I created, that had a 30’ ish look, when I added a bow tie. Thus the name Zoot Suit, Tri Zoot and Swim Zoot really caught on!“

Es kam, wie es kommen musste, im Laufe der Zeit sprach es sich herum, dass es sich bei Christal Nylins Lycra-Anzügen um die coolsten Teile mit den innovativsten Designs und Materialien handelte. Und weil sich in den darauffolgenden Jahren auch der Triathlonsport weiter entwickelte und immer mehr Menschen ihn ausübten, fanden ihre Produkte auch Hawaii- und landesübergreifend reißenden Absatz. Alles Weitere ist Geschichte und gehört zum Mythos Zoot.1994 verkaufte Christal Nylin ihr Unternehmen, das seit 2009 zur K2 Sports Group gehört. „Ihrem Baby“ ist Christal Nylin weiterhin freundschaftlich verbunden. Jedes Jahr freut sie sich aufs Neue, wenn im September Tausende von Triathleten in ihren beschaulichen Heimatort „einfallen“ und ihn für mehrere Wochen ins Mekka der Eisenmänner verwandeln. Christal Nylin arbeitet in Kailua-Kona weiterhin als selbstständige Künstlerin. Nur mit dem Unterschied, dass sie nicht mehr Bekleidung designt, sondern sich auf das Malen konzentriert.

Text: Klaus Arendt
Fotos: Armin Schirmaier und Klaus Arendt

Quelle: tritime | Leidenschaft verbindet
(Ausgabe 1|2014)

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