Garmin Forerunner 735XT – ein Erfahrungsbericht

garmin-forerunner-735xt_bundelHallo allerseits. Ich hatte bereits angekündigt, euch den Garmin Forerunner 735XT, den ich für meine Testreihe mit dem Stryd-Powermeter verwende, ebenfalls noch etwas detaillierter vorzustellen. Ein derartig vielseitiger Trainingscomputer hat einfach mehr „verdient“, als nur Mittel zum Zweck zu sein.

 

Für alle Interessierten hier meine Eindrücke und Erfahrungen mit dem FR735XT:

Unboxing: erster Eindruck
Right out of the Box“ überzeigt der FR735XT durch seine für einen Multissport-Trainingscomputer filigrane Optik und sein trotzdem verhältnismäßig großes klares Display mit guter Auflösung und Farbqualität. Auch das erste Set-up ist eine positive Erfahrung: Vorausgesetzt man beschäftigt sich nicht zum ersten Mal überhaupt mit einem Trainingscomputer und weiß ungefähr, was man tun will, lassen sich alle erforderlichen individuellen Einstellungen intuitiv und komplett ohne Bedienungsanleitung vornehmen. Völlig unaufgefordert findet der FR735XT außerdem sogar innerhalb meiner Dachgeschosswohnung zuverlässig und zügig ein GPS-Signal.

Neben der Trainingsuhr sind im Lieferumfang außerdem enthalten:

  • ein Brustgurt mit integrierten HF-Sensor (inkl. Gurtverlängerungen)
  • ein Brustgurt mit integrierten HF-Sensor speziell für den Gebrauch unter Wasser (ebenfalls inkl. Gurtverlängerungen)
  • ein USB-Verbindungskabel zum Laden des Akkus und zur Datenübertragung
  • eine kurze Bedienungsanleitung

IR-HF
Als ein besonders willkommenes Feature des FR735XT empfinde ich die Option der Herzfrequenz (HF)-Messung am Handgelenk. Ist kein externer HF-Sensor (Brustgurt) verfügbar, so kann auf einen auf der Unterseite des Displays befindlichen Infrarot-Sensor zur HF-Ermittlung zurück gegriffen werden. Dazu muss unter ‚Einstellungen > HF-Sensor einstellen’, der automatische Zugriff auf die Daten des IR-Sensors aktiviert werden. Im Übrigen eine der wenigen für meinen Geschmack weniger intuitiven Einstellungsmöglichkeiten, da man außerdem zusätzlich noch explizit die Übertragung dieser Daten (unter dem selben Menüpunkt) erlauben muss. Ansonsten war ich von der IR-basierten HF-Messung sehr positiv überrascht. Da es sich hierbei genau genommen nicht um eine Herzfrequenzmessung (elektronische Ableitung von Herzströmen), sondern um eine Pulsmessung handelt, war ich zunächst skeptisch was die Genauigkeit und Zuverlässigkeit dieser Messmethode angeht. Das IR-Signal lieferte jedoch zuverlässig plausible HF-Daten, deren Interpretationstiefe für eine simple Trainingsanalyse völlig ausreichend sein dürfte. Für Menschen wie mich, die sich bisher noch mit jeden Brustgurt wund gerieben haben ist diese HF-Messmethode also definitiv eine tolle Alternative.

Eines muss jedoch bei einer IR-basierten HF-Messung am Handgelenk beachtet werden: Zur Bestimmung von Analyseparametern, die sich auf eine „echte“ elektronisch abgeleitete Herzfrequenz stützen, wie zum Beispiel die HF-Variabilität ist sie ungeeignet – hier führt kein Weg am Burstgurt mit Elektroden vorbei. Konsequenterweise fordert der FR735XT auch zur Ermittlung des aktuellen Stress Scores (als App vorinstalliert) ein HF-Signal vom Brustgurt. (Zur Klärung, was genau sich hinter dem Begriff „Stress-Score“ verbirgt möchte an dieser Stelle auf die einschlägige Fachliteratur verweisen, um nicht den Rahmen dieses Artikels zu sprengen.)

Menüführung und Modi
Wie bereits erwähnt ist die Menüführung der FR3735XT ausgesprochen intuitiv und man findet auf Anhieb heraus, wie zwischen den unterschiedlichen Trainings-Modi gewechselt werden kann – und davon hat der FR735XT einige zu bieten:

Neben den Multisport-Standards Laufen und Radfahren gibt es die Modi Indoor-Lauf, Indoor-Rad, Schwimmbad, Freiwasser und Triathlon. Während die drei Indoor-Modi über spezielle Kalibrierungsoptionen verfügen, bietet der Triathlon-Modus die Möglichkeit einfach durch Drücken der Lap-Taste vom Schwimmen übers Radfahren zum Laufen (in dieser Reihenfolge ) überzugehen und optional auch Wechselzeiten zu erfassen. Wer also im Rennen die Nerven dazu hat, kann einen kompletten Wettkampf-Datensatz erzeugen. Ich persönlich muss allerdings zugeben, dass ich, so wertvoll ein solcher Datensatz auch sein mag, im Rennen meist mit anderen Dingen beschäftigt bin und die Aufzeichnungen dann doch immer noch nachbearbeiten muss, um einen stimmigen Datensatz zu erhalten.

IQ Apps
Eine weiteres interessantes Feature ist außerdem die Möglichkeit über den Menüpunkt ‚IQ Apps’ eigene Trainings-Tools als Apps auf dem FR735XT zu installieren. Dies können einfache Timer-Anwendungen sein, Apps die komplexen Anforderungen aus anderen Sportarten gerecht werden oder weitere Tools zur Trainingsanalyse direkt auf der Uhr. Auch Gadgets schlicht zur Individualisierung des Trainingscomputers können auf diese Weise installiert werden. Ein Beispiel in diesem Zusammenhang habe ich euch bereits in meinem letzten Bericht ausführlich vorgestellt: die IQ-App der Firma Stryd ermöglicht es, Lauf-Leistungsdaten vom Stryd-Powermeter während des Laufens anzuzeigen und aufzuzeichnen. Diese und ähnliche Apps können relativ einfach am Rechner aufgespielt werden – dafür muss der FR735XT lediglich über USB als Laufwerk gemountet und die gewünschte App im Ordner APPS installiert werden. Noch einfacher ist die App-Installation unter zu Hilfenahme des Garmin-Express Software Packages, welches die Installation spezifischer Garmin Apps aus dem Garmin Connect IQ-App-Store ermöglicht – direkt und einfach per Mausklick.

Sensoren Pairing
Externe Sensoren wie den mitgelieferten HF-Sensor, oder in meinem Falll den Stryd-Powermeter – ihr erinnert euch an meine laufende Testreihe – erkennt der FR735XT automatisch, solange diese via ANT+ übertragen. Das Bedienmenü bietet aber auch eine intuitiv zu findende Möglichkeit, manuell auf Sensoren-Suche zu gehen. Das Pairing des FR735XT speziell mit Rad-Powermetern von SRM ist leider etwas weniger komfortabel und zuverlässig. Erst wenn die SRM-Kurbel mit der ANT+-Übertragungseinheit und FR735XT in unmittelbare Nähe (ca. 2 cm) zu einander gebracht werden, wird der Powermeter erkannt. Nach dem initialen Pairing ist die Verbindung zwar etwas stabiler, jedoch nicht immer störungsfrei. Eine deutliche Verbesserung der Signalübertragung während des Trainings kann man aber erreichen indem man den FR735XT auf der gleichen Seite des Rades montiert bzw. am Handgelenk trägt, auf der sich auch die ANT+-Sendeeinheit des Powermeters befindet (also rechts).

Auf Nachfrage wurde mir sowohl seitens SRMs als auch Garmins erklärt, dass dieses Manko einem Kompromiss zwischen Batterie/Akku –Laufzeit und Sendereichweite geschuldet sei und man bereits an einer Optimierung arbeite.

Rad-Modus
Wurden Powermeter und Trainingscomputer jedoch erfolgreich mit einander bekannt gemacht, glänzt der FR735XT durch zuverlässige und schnelle GPS-Ortung, ein absolut individuell einstellbares und sehr gut ablesbaren Display und eine überzeugend lange Akkulaufzeit. In der Tat zeichnet der FR735XT problemlos 15-20 Trainingsstunden auf, ehe er nach dem nächsten Ladezyklus verlangt. Darüber hinaus überzeugt die sehr empfindliche automatische Start-Stopp-Funktion, welche optional aktiviert oder deaktiviert werden kann, welche das auseinander dividieren von Trainingsdauer und Zeit in Bewegung zum Kinderspiel macht.

Lauf-Modus
Gleiches gilt für den Laufmodus. Hier fällt außerdem das recht geringe Gewicht des FR735XT am Handgelenk sehr positiv auf. Die Tatsache, dass der FR735XT im Laufmodus nicht in der Lage ist, Daten von einem Powermeter zu empfangen und aufzuzeichnen, kann wie bereits erwähnt inzwischen durch eine entsprechende IQ-App umgangen werden. Diese App macht somit den Laufmodus für all jene, die mit Powermeter rennen möchten, mehr oder weniger obsolet. Als eher negativ empfand ich persönlich den mitgelieferten Multisport Herzfrequenz-Gurt mit integriertem Sensor. Das recht unflexible und feste Material stellt beim Laufen ein erhebliches „Scheuerpotenzial“ dar, das diese Sensoreinheit für Sensibelchen wie mich, mehr oder weniger disqualifizert.

Schwimm-Modus
Getoppt wird dieses Minus an Komfort meiner Meinung nach durch den speziellen Schwimm-Herzfrequenzgurt. Um den Hautkontakt der Elektroden auch unter Wasser zu gewährleisten, ist dieser mit aus einem komplett unflexiblen Material gefertigt und mit einer Art Silikon beschichtet. Dadurch wird zwar ein rutschfester Sitz auf der Haut erreicht, jedoch um den Preis, dass der Träger sich zwischen Gurt verlieren oder eingeschränkter Atmung und Einschneiden des Gurtes in die Haut entscheiden muss. Hinzu kommt, dass die Aufzeichnung nur mäßig bis gar nicht funktioniert. Auch eine Neuinstallation der Schwimm-HF-Funktion und ein erneutes Sensoren-Pairing halfen in meinem Fall in diesem Punkt nicht weiter.

Fitnesstracker-Funktion
Zu guter Letzt bleibt noch zu erwähnen, dass der FR735XT auch als Fitnesstracker eingesetzt werden kann. Ich persönlich lehne dieses Konzept der lückenlosen digitalen Selbstüberwachung jedoch ab. Dies mag damit zusammen hängen, dass ich mir nach jahrelangem Führen von Trainingstagebüchern und mit inzwischen doch einigen einsamen und weniger einsamen Trainingsstunden, Rennen und Regenerationsperioden auf dem Buckel, einbilde, meinen Körper ganz gut zu kennen. Ich weiß ja nicht wie’s euch geht, aber mich beschleicht außerdem ab und an das Gefühl, dass speziell wir Triathleten uns oft mit irgendwelchen Werten und Vorgaben beschäftigen, bei denen wir uns besser auf unser Körpergefühl verließen. Und mal ehrlich, wenn unsereins nicht auf seine 10.000 Schritte am Tag kommt, dann kann dieses Problem in den seltensten Fällen durch ein mahnendes Display am Handgelenk gelöst werden. Aber wie gesagt, das ist nur meine persönliche Meinung und soll an dieser Stelle lediglich der Erklärung dienen, weshalb ich das Fitnesstracker-Feature der FR735XT nicht ausprobiert habe. Für all jene, die Fitness tracken toll finden, ist es bestimmt ein Pluspunkt eines im großen und ganzen sehr gelungenen Trainingscomputers.

In diesem Sinne … sportliche Grüße und bis bald

Die Rennschnecke

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