Julia Gajer: Beim Marathon möchte ich den Laufturbo zünden!

Mit 5.310 Punkten qualifizierte sich Julia Gajer souverän für ihren ersten Start bei der Ironman World Championship in Kona. Es ist allerdings nicht ihr erster Besuch auf der größten Insel des Südseearchipels. Vor zwei Jahren machte sie sich in der Wettkampfwoche bereits mit den klimatischen Bedingungen und der Rennstrecke vertraut. Wie Julia Gajer sich aktuell auf ihren Saisonhöhepunkt vorbereitet, verriet sie der tritime-online-Redaktion.

Julia, mit welchen Gefühlen und Wünschen trittst Du das Rennen in Kailua-Kona an?
Ich freue mich zunächst einmal sehr, dass ich die Qualifikation geschafft habe und bei dem Rennen dabei sein kann. Die letzten Trainingswochen waren sehr gut, sodass ich mit viel Optimismus und Zuversicht sowie dem Gefühl, die für mich bestmögliche Vorbereitung absolviert zu haben, in den Flieger gestiegen bin.

Welches Rennen im Rahmen Deiner Qualifikation lässt Dir im Vorfeld noch einmal das Adrenalin in die Adern schießen?
Ganz klar meine Aufholjagd und der Titelgewinn in Arizona. Diesen Laufturbo möchte ich auch in Kona wieder zünden. Ich denke, mit einem starken Marathon kann ich noch einige Plätze gut machen.

Wie und wo hast Du Dich auf die Hitze vorbereitet?
Überwiegend in Deutschland. Seit Ende September befinde ich mich in Kona. Zwei Wochen sollten reichen, mich an die Hitze zu gewöhnen.

Wie sehr hat Dich der Jetlag belastet?
Wenn ich in Richtung Westen fliege, macht mir der Jetlag meist nicht so sehr zu schaffen. Meist habe ich mich schon nach einem Tag an die Zeitumstellung gewöhnt.12 Stunden Zeitverschiebung sind natürlich schon sehr viel, aber nach ein paar Tagen hatte sich alles eingespielt. Auch deshalb bin ich frühzeitig angereist.

Wohnst Du in einem Appartement/Haus oder in einem Hotel?
Ich bewohne ein kleines Appartement mit Küche, so kann ich mich selbst verpflegen.

Ist Dein Trainer mit vor Ort? Welche Bedeutung hat dies für Dich im Vorfeld und im Rennen selbst?
Nein. Im Vorfeld kommunizieren wir viel via E-Mail und skype. Während des Rennens steht er mit meinem Mann in Kontakt. Das hat bisher immer sehr gut funktioniert. Daher sehe ich auch kein Problem darin, dass er nicht selbst vor Ort ist.

Wirst Du auf Deiner Reise nach Hawaii von Freunden und Deiner Familie begleitet? Welche Rolle nehmen sie dort ein?
Neben meinem Mann sind auch meine Schwester und mein Vater in Kona mit dabei. Ich habe also eine hervorragende Support-Crew. Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team. Zusätzlich wird mein Bruder zu Hause das Rennen am Liveticker verfolgen und Informationen per Handy an die Strecke weitergeben. Diese Unterstützung ist sehr wichtig und wertvoll.

Wie viele Tage vor dem Rennen hast Du mit dem Tapering begonnen beziehungsweise Die Umfänge und Intensitäten reduziert?
Etwa 10 Tage vor dem Rennen reduzieren wir die Umfänge, während die Intensitäten weitestgehend beibehalten werden.

Wie sehen Deine letzten Schwimm-, Rad- und Laufeinheiten vor dem Wettkampf aus und wann machst Du die?
Am Freitag früh absolviere ich eine kurze Schwimmeinheit. Und vor dem Check-In folgt  noch eine kurze Koppeleinheit als Vorbelastung.

Wie schätzt Du Deine realistischen Chancen ein?
Wenn bei mir am Renntag alles zusammenpasst, schaffe ich es in die Top-10.

Wer sind die großen Favoriten auf den Sieg im Rennen der Damen?
Bei den Frauen wird der Sieg nur über Mirinda Carfrae gehen. Auf Daniela Ryf bin ich nach ihrer beeindruckenden Siegesserie sehr gespannt. Sehr stark schätze ich auch Rachel Joyce, Caroline Steffen und Melissa Hauschildt ein.

Und bei den Herren?
Die Chancen auf einen deutschen Sieg stehen nicht schlecht. Sebastian Kienle und Jan Frodeno haben wohl die besten Karten im Spiel. Nicht zu unterschätzen ist nach seinen starken Ergebnissen aber auch Nils Frommhold.

Worauf achtest Du in der Rennwoche ernährungstechnisch besonders?
Ich habe keine besonderen Ernährungstricks für die Hitze. Ich werde meine gewohnte Ernährung beibehalten. Ich nehme kohlenhydratlastige und gleichzeitig leicht verdauliche Nahrung zu mir. Dieses hat sich bei den heißen Rennen in Arizona und Texas sowie in Roth sehr gut bewährt. Besonders wichtig ist in der Hitze natürlich ausreichend zu trinken, um gut hydriert in das Rennen zu gehen.

Und womit verbringst Du in Kona die trainingsfreie Zeit? Wie entspannst Du Dich?
Am liebsten entspanne ich bei einem guten Buch. Für Sightseeing fehlt mir vor dem Rennen die Muße, dafür ist hinterher genügend Zeit.

Auf was musstest Du in den letzten Wochen am meisten verzichten?
Auf gemeinsame Zeit mit meinem Mann, meiner Familie und Freunden.

Worauf freust Du Dich nach dem Rennen am meisten?
Urlaub! Wir bleiben noch ein paar Tage auf Hawaii und besuchen Kauai und Maui.

Machst Du Dir bereits Gedanken über Deine nächsten Ziele?
Ehrlich gesagt geht meine Planung momentan nur bis zum 11.10.2014. Was danach ansteht, habe ich noch nicht geplant. Da meine Saison aber schon sehr lang und kraftraubend war, werde ich vermutlich in die Saisonpause gehen.

10 Stichworte – 10 spontane Reaktionen
Was fällt Dir spontan zu folgenden Begriffen ein?

Ali’i Drive: Legendäre Finishline.
Palani Road: Es geht bergauf.
Energy Lab: Heiß.
Mumuku: Bitte nicht zu stürmisch.
Underpants Run: Kult.
Mauna Kea: Sterne gucken.
Kona Coffee: Yummi. 😉
Island Lava Java: Entspanntes Frühstück nach dem morgendlichen Schwimmen.
ABC-Store: Es gibt (fast) nichts, was es dort nicht gibt.
LuLu’s: After-Race-Party.

Fotos: Team ERDINGER Alkoholfrei und Getty Images for Challenge Family

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.