Julia Gajer: Bereit für Hawaii

Julia Gajer ist derzeit eine der besten deutschen Langdistanztriathletinnen. Am Wochenende startet sie als letzten Test für den Ironman Hawaii beim Allgäu Triathlon in Immenstadt. Wie es ihr gerade geht und was sie sich für das Rennen in Kona vorgenommen hat, verrät sie im Interview.

 

Hallo Julia, du hast schon eine ziemlich lange Saison in den Knochen – den IM Arizona im letzten November, den IM Texas im Frühjahr und die Hitzeschlacht im Juli in Roth – wie geht es dir gerade und wie fit fühlst du dich?
Ganz so lang ist die Saison noch nicht. Ich habe meine Pause erst nach dem Ironman Arizona gemacht und bin dann im Januar in die Saison 2014 gestartet. Dennoch habe ich bereits zwei Langdistanzen in den Beinen und besonders das Hitzerennen in Roth hat einige Körner gekostet. Daher haben wir danach ein großes Augenmerk auf eine gute Regeneration gelegt, was uns auch bestens gelungen ist. Ich fühle mich mittlerweile wieder fit und die Hawaii-Vorbereitung läuft auf Hochtouren.

Am Wochenende startest du beim Allgäu-Triathon, was hast du dir für diese Mitteldistanz vorgenommen?
Der Allgäu-Triathlon ist ein Klasiker, ein super schönes und sehr gut organisiertes Event. Ich bin hier bereits 2009 gestartet. Mich motiviert das besondere Format bei diesem Rennen ganz enorm (es gibt nur eine Gesamtwertung, die Frauen starten 37 Minuten vor den Männern). Ich hoffe, dass ich in den Genuss komme, hinter dem Führungsfahrzeug herzufahren und den Vorsprung vor den Männern bis ins Ziel verteidigen zu können. Der Wettkampf soll aber vor allem auch ein Test vor Kona sein, um zu sehen, wo ich gerade stehe und an welchen Stellschrauben wir in den letzten Wochen noch drehen müssen.

Dein Saisonhighlight steht am 11. Oktober an. Du wirst das erste Mal in Kona an den Start gehen – freust du dich auf das Rennen und mit welche Gefühlen und Erwartung fliegst du nach Big Island?
Ich freue mich sehr, endlich bei dem Rennen selbst dabei sein zu können. Natürlich fliegt auch eine gehörige Portion Respekt mit, aber das gehört dazu. Ich fühle mich bereit, dort ein sehr gutes Rennen abzuliefern und wenn alles klappt in den Top-Ten zu finishen.

Du hast dir zusammen mit deinem Trainer Jochen Frechn mit der ersten Quali für Hawaii lange Zeit gelassen, hast dich bewusst 2011 und 2012 auf Roth konzentriert und für einen Profi relativ wenig Rennen bestritten. Steckt dahinter ein bestimmtes Konzept?
Ich habe erst 2011 überhaupt meine erste Langdistanz bestritten, damals habe ich noch

Foto: Mathis Wienand | Getty ImagesVollzeit gearbeitet und hätte mir nicht zugetraut, gleich auf Platz zwei und in unter neun Stunden ins Ziel zukommen. Seit 2012 bin ich Profi. Wir haben bewusst zunächst relativ wenig Rennen über die Langdistanz bestritten, dafür aber einige über die Mitteldistanz, um einen sorgfältigen langfristigen Aufbau zu gewährleisten. Man darf nicht vergessen, dass ich erst 2008 (mit 26) überhaupt meinen ersten Triathlon bestritten habe, und daher fehlen mir einige Trainingsjahre. Diese haben wir langsam versucht, in den letzten Jahren zu kompensieren. Hinzu kommt, dass ich nicht nach Hawaii fahren wollte, um dort nur ins Ziel zukommen. Ich denke für Kona muss man wirklich bereit sein, nun bin ich es.

Du hast dir Kona und die Strecken des Ironman bereits 2012 als „Urlauber“ angesehen. Denkst du, dass war eine gute Entscheidung? Kannst du dich jetzt besser auf das Rennen einstellen? Auch mental?
2012 war ich beim Rennen in Kona vor Ort und hatte die Möglichkeit, dort zu trainieren. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich diese Möglichkeit hatte, es war also definitiv eine sehr gute Entscheidung. Sowohl physisch als auch mental kann ich nun deutlich besser einschätzen, was mich erwartet und mich dementsprechend vorbereiten. Auch für meine langfristige Planung war dieser „Urlaub“ sehr wichtig: als ich das Rennen dort vor Ort gesehen habe, merkte ich deutlich, dass ich noch nicht so weit bin, und daraufhin haben wir unseren Fahrplan angepasst.

Der deutsche Sommer lässt uns in Süddeutschland schon seit einigen Wochen im Stich, beeinflusst das deine Vorbereitung oder lässt dich das kalt? Bist du mit deinem Hawaii-Training im Plan?
Bisher hatte ich relativ viel Glück mit dem Wetter und konnte alle Einheiten wie geplant absolvieren. Ich bin also voll im Soll. Als letzten Test absolviere ich den Allgäu-Triathlon an diesem Wochenende. Ausgehend von dem Ergebnis werden wir dann das Training entsprechend weiter gestalten. Ich habe bewusst eine Vorbereitung zu Hause gewählt, weil ich mich hier am wohlsten fühle. Im letzten Jahr habe ich das vor dem Ironman Arizona ebenfalls so gemacht, und das hat ja wunderbar geklappt. Man darf eben nicht immer von schönem Wetter ausgehen, sondern muss sich auch mal durch den Regen kämpfen, dafür ist die warme Dusche anschließend um so schöner ;-).

Fotos: Ingo Kutsche und Mathis Wienand | Getty Images
Interview: Meike Maurer

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