L-Carnitin und seine Wirkung

Um das Nahrungsergänzungsmittel L-Carnitin drehen sich zahlreiche Mythen und Legenden drehen. Aber welche Wirkungsmechanismen und Erfolge werden versprochen, und auch gehalten?

 

Was ist L-Carnitin?

Zunächst steht natürlich die Frage im Raum, was L-Carnitin überhaupt ist. Der Körper stellt es selbst her, und zwar aus den Aminosäuren Methionin und Lysin. Verschiedene Nahrungsmittel weisen bereits große Mengen von L-Carnitin: Insbesondere in rotem Fleisch von Schafen und Lamm ist es reichlich vorhanden, vegetarische Kost hingegen hat so gut wie keinen L-Carnitin-Gehalt. Deshalb ist es besonders für Vegetarier und Veganer wichtig, über eine zusätzliche Zufuhr nachzudenken. Doch je nach Gewicht und Größe ist es auch bei Fleischessern fraglich, ob sie ihren Bedarf mit der Nahrung ausreichend decken können. Bei gemischter Kost werden etwa 100 bis 300 mg L-Carnitin aufgenommen. Leider ist es allerdings so, dass es bislang keinen verlässlichen empfohlenen Tagesbedarf gibt – und selbst wenn es ihn gäbe, müsste man ihn wie im Falle des Body Mass Index, der noch heute irrtümlicherweise vielerorts als das Maß aller Dinge gilt, in Zweifel ziehen. Aus diesem Grund kann eine zusätzliche Zufuhr durch Supplements sinnvoll sein. Klar ist, dass nur 54 bis 87 Prozent des L-Carnitn überhaupt vom Körper verwertet werden können.

Was bringt L-Carnitin überhaupt?

Tatsächlich sind die Funktionen des chemischen Produkts für den menschlichen Körper sehr wichtig. Zum Beispiel unterstützt es Leber und Nieren bei der Entgiftung und dem Abtransportieren der dabei übrig bleibenden Schadstoffe. Gleichzeitig aber sorgt es dafür, dass langkettige Fettsäuren zur Energiegewinnung verwertet werden können. Im Klartext: Wirklich profitieren können von etwa von Walöl oder Fischöl nur diejenigen Verbraucher, die über ausreichend L-Carnitin verfügen, sodass der Körper sie entsprechend einsetzen kann. Das heißt, dass die nützlichen Wirkungen für das Herz und Muskelzellen nur bei einer ausreichenden Versorgung zur Entfaltung kommen können.

Dadurch, dass besonders das Herz auf eine ausreichende Versorgung durch L-Carnitin angewiesen ist, kann aufgrund der hohen Beanspruchung besonders bei sportlich aktiven Menschen die Gefahr steigen, einen Herzinfarkt zu erleiden. Wichtig ist bei L-Carnitin die unterstützende Funktion für das Immunsystem, das letztendlich unsere Abwehr darstellt, die besonders durch häufige Beanspruchung wie beim Triathlon so dringend gebraucht wird. Übrigens ist auch die Rolle von L-Carnitin als Biocarrier dabei besonders wichtig, weil es für eine natürliche Leistungssteigerung beim Sport sorgen kann.

L-Carnitin wird unter anderem nachgesagt, dass es die Fettverbrennung anrege. Allerdings sind die Studien, auf die sich dabei im Wesentlichen bezogen wird, schon älter und sind an Ratten durchgeführt worden. Eine etwas neuere Studie hingegen zeigt, dass auch bei lebenden Menschen Erfolge im Bereich der Fettoxidation erzielt worden sind. Dennoch ist die tatsächliche Wirkung im Fettstoffwechsel von L-Carnitin bis heute umstritten. Gleichzeitig fördert L-Carnitin bei sportlicher Aktivität den Muskelaufbau, was natürlich für jeden Triathleten eine überaus positive Angelegenheit ist. Und nicht nur das: Auch die Regeneration nach der Muskelanstrengung kann durch L-Carnitin verkürzt werden.

Was passiert bei einem Mangel?

Neben den Vorteilen der Einnahme von L-Carnitin ist natürlich die Frage zentral, ob man überhaupt Nachteile von einer Mangelversorgung hätte. Die Antwort auf diese Frage lautet ganz einfach Ja. Denn hat der Körper nicht mehr genügend L-Carnitin zur Verfügung, kann eine Folge der Muskelabbau sein. Und natürlich ist die Gefahr auch groß, dass sich der Hormonspiegel im Körper ändert, was einerseits den gerade benannten Muskelabbau, andererseits aber den Fettaufbau erhöht – eine Wirkung zum Beispiel des Stresshormons Cortisol, das der Körper bei zu viel Stress ausschüttet. Denn dann kann L-Carnitin nicht mehr seine stressregulierenden Eigenschaften ausspielen. Die weiteren Ursachen für den Muskelabbau sind zum Beispiel eine schlechtere Eiweißsynthese, eine erhöhte Anfälligkeit für das Herz-Kreislaufsystem und weitere unangenehme Folgeerscheinungen.

Mangelursachen

Für Sportler ist die Mangelerscheinung relativ wahrscheinlich, da der Körper an allen Nährstoffen einen erhöhten Bedarf hat, aber dieser Bedarf in der Regel nicht leicht zu kompensieren ist. Da viele Triathleten das Protein leider etwas vernachlässigen, essen sie auch zu den wenig von den typischen L-Carnitin-Quellen wie zum Beispiel Käse oder rotem Fleisch. Weitere Ursachen für den Mangel sind zum Beispiel eine einseitige Ernährung in Richtung Veganismus und Vegetarismus (was keine allgemeine Kritik an dieser Form der Ernährung sein soll), eine hohe Ausscheidung über die Nieren, Fehlfunktionen in der körpereigenen Synthese und noch eine Reihe von anderen Ursachen – es gibt beispielsweise auch Menschen, die auf eine zusätzliche Zufuhr durch L-Carnitin-haltige Nahrungsergänzungsmittel gar nicht anspringen.

Nachteile und Gefahren einer Überversorgung

Wie bei fast allem gilt auch hier: Das gesunde Maß ist der Schlüssel zum Erfolg. Hält man die Mitte jedoch nicht, sondern übertreibt, kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Zu diesen gehören Erbrechen, Durchfall und Übelkeit. Allerdings treten sie erst bei einer übermäßigen, chronischen Zufuhr auf.

Text: Rolf Meyer (Ernährungsberater)
Foto: pixabay.com © komposita

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