Brett Sutton: Tipps zur Race Preparation

Sehr häufig werde ich auf den unterschätzten Zeitraum vor dem Hauptwettkampf angesprochen. Brett Sutton umschreibt  die Phase der kontrollierten Trainingsreduzierung nicht mit Tapering, sie bezeichnen die 8-10 Tage vor einer Langdistanz lieber als „Rennvorbereitung“.

 

Das klingt doch gleich viel besser und die Athleten kommen auch nicht auf dumme Gedanken oder in die Versuchung, das Training von hundert auf nahezu Null herunterfahren (zu müssen).

Im September 2015 veröffentlichte der frühere Ironman-Weltmeister Pete Jacobs auf facebook seinen ganz persönlichen Race Preparation-Ansatz. Pete bringt es in einem Satz auf den Punkt: „Der häufigste Fehler, den die meisten Athleten beim traditionellen Tapern machen, ist in der letzten Woche vor dem großen Rennen zu viel und zu schnell zu laufen.“

Sein Rat ist empfehlenswert, denn je näher das Rennen kommt, desto weniger wird gelaufen. Wir bei trisutto.com sind da sehr ähnlicher Meinung und denke, sobald man seinen längsten Lauf in den Büchern hat, werden die Laufeinheiten zurückgeschraubt. Unser „Ausdauerdefizit“ sollten wir stattdessen mit Radfahren und Schwimmen auffüllen. Beim Radfahren können die Athleten den Krafteinsatz mit dem Rad-Computer ziemlich genau kontrollieren und den Stress für den Körper somit so gering wie möglich halten. Dadurch wird das Radfahren zum wohl wichtigsten Teil der Steuerung der Intensitäten in der unmittelbaren Rennvorbereitung. Da dies im Detail aber doch von Athlet zu Athlet sehr individuell ist, erfolgt hier eine genaue Abstimmung mit dem Trainer. Es kann  durchaus vorkommen, dass Athleten in der Woche vor einem Langdistanz-Rennen am Montag oder Dienstag noch einmal eine sehr, sehr ruhige und lange Radausfahrt absolvieren. Darüber hinaus wird neben dem Laufen auch die Anzahl der alles in allem kräfteraubenden Schwimmeinheiten reduziert. Gerade für eher schwächere Schwimmer wirken sich kurz vor dem Rennen zu harte und intensive Einheiten im Wasser belastend auf die Wettkampfperformance von allen drei Disziplinen im Rennen aus!

Wo wir mit Pete Jacobs nicht einer Meinung sind, ist das Freiwasserschwimmen innerhalb der letzten drei Tage vor dem Rennen. In meiner langen Trainerkarriere habe ich unglaublich viele Athleten gesehen, die sich super vorbereitet haben und mehr als fit sind für den großen Tag. Und am Renntag wachen sie morgens mit einer „mysteriösen Krankheit“ auf, eine Art leichte Lebensmittelvergiftung. Diese ist zwar nach 48 Stunden schon wieder überstanden, der Wettkampf allerdings ist beendet, bevor der Startschuss überhaupt erfolgt ist. Und was ist die Ursache? Diese Athleten haben meist während des Freiwasserschwimmens kurz vor dem Rennen irgendetwas mit/aus dem Wasser aufgenommen. Ob sie wollten oder nicht. Das gilt nicht nur für Frankfurt, Klagenfurt, Roth oder Kona, das gilt für alle Rennen, unabhängig von Wasserqualität.

All diejenigen, die jetzt mit dem Kopf schütteln und denken, na ja, in Rio oder Asien mag das vielleicht so sein, aber ich garantiere Euch, dass es auch in den saubersten Gewässern vorkommen kann. Versteht mich hier bitte nicht falsch, Ihr investiert viel Zeit und Geld für Vorbereitung, Equipment und Reisen, um am Ende ein hohes Risiko einzugehen, nur weil man anstatt im Pool vorab in dem schönen See oder der blauen Lagune schwimmen wollte. Hebt Euch dies – sofern Ihr noch fit genug seid, für die Zeit nach dem Rennen auf.

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Text: Brett Sutton (übersetzt von Dirk-Peter Neumann)
Foto: trisutto.comund Sven Haberer (Luftbild Hawaii)

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