Maurice Clavel: Der Mensch ist keine Maschine

Nach den ersten großen Wettkämpfen der recht jungen Saison 2015, zieht Maurice Clavel eine erste Zwischenbilanz: der Saisoneinstieg ist geglückt, doch es ist leider nicht bei jedem Rennen der Tag für Höchsleistungen.

Verglichen mit meinen bisherigen Triathlonjahren begann 2015 für mich sehr spektakulär. Direkt nach meinem letzten Trainingslager auf Fuerteventura ging es gen Osten – erst nach Abu Dhabi dann nach Dubai. Ich durfte meine Saison in Abu Dhabi auf dem Yas Marina Circuit einläuten. Die Rennstrecke, normalerweise bekannt vom Saisonfinale der Formel 1, wurde von den Triathleten eingenommen. Auf einer solchen Strecke für Rennwagen so richtig Gas zugeben und das Rad über den 5,5 Kilometer langen Rundkurs zu jagen, war wirklich ein Traum und für mich eine ganz besondere Erfahrung. Nach 1,5/40/10 Kilometern war ich zweitschnellster des Tages – für mich ein gelungener Saisonauftakt nach Maß. Bereits eine Woche später traf sich die komplette Weltelite bei der Half Challenge in Dubai. Dort stand ich ziemlich motiviert an der Startlinie, doch machte mir leider eine fette Erkältung einen Strich durch die Rechnung. Es war definitiv kein geeigneter Tag für mich, um in so einem wahnsinnig gut besetzten Feld, Höchstleistung zu bringen.

Rennauftakt in Europa
Wieder gut erholt und top motiviert zurück in Deutschland ging es im Mai nach Spanien. Der Ironman 70.3 Barcelona sollte das nächste große Rennen der Saison 2015 werden. Gespickt mit einigen Stars der Szene war auch dieses Starterfeld für mich eine große Motivation, alles zu geben und Höchstleistung abzuliefern. Gesagt, getan: Platz 2 hinter Jan Frodeno und vor Frederik van Lierde stimmte mich definitiv happy. Gute Beine und die nötige Frische waren an diesem Tag meine treuen Partner. Es hat einfach alles gepasst und so konnte ich mir die anschließenden Sightseeing-Tage in der Hauptstadt Kataloniens wirklich versüßen.

Nach einem gutem Wiedereinstieg ins Training und soliden Leistungen steuerte ich zwei Wochen später das Land der tausend Hügel an. Es ging zu einem weiteren Rennwochenende in den Kraichgau. Allerdings stand nicht das 70.3-Rennen für mich auf dem Programm. Stattdessen wollte ich über die kürzeren Strecken des 5!50-Formats an den Start gehen. Glücklicherweise erwischte ich wieder einen super Tag, meine Beine brachten mich auf dem Rad knapp drei Minuten vor dem Zweitplatzierten – wieder van Lierde – in die Wechselzone und schlussendlich souverän ins Ziel. Soweit so gut! Alles lief nach Plan. Meine Rennstrategie – einfach alles zu geben – ging hervorragend auf, machte Spaß und brachte automatisch gute Ergebnisse.

 

Maurice-Clavel_Challenge-Heilbronn-2Einfach immer alles geben
Mit dieser Einstellung reiste ich vergangenes Wochenende auch zur Challenge Heilbronn. Viele ausgezeichnete Athleten waren gemeldet. Kurzum, fast alle Top-Profis, die es in Deutschland derzeit auf der Mitteldistanz gibt, standen an der Startlinie. Mit der gleichen Motivation wie sonst, startete ich auch ins dieses Rennen. Ich wollte „einfach Vollgas gehen und mitfeuern“. Doch leider ging dieser Plan nicht ganz auf. Zum einen erwischte ich sicherlich einen „gebrauchten“ Tag und fand einfach zu keinem Zeitpunkt richtig ins Rennen. Zum anderen haben die Konkurrenten permanent einen solchen Druck ausgeübt, dass ich einfach nicht hinterher kommen konnte. Im Ziel war ich mit mir ziemlich unzufrieden und enttäuscht von meiner Leistung an diesem Tag. Mir wurde einmal mehr bewusst, dass der Mensch einfach keine Maschine ist und selbst Maschinen Aussetzer haben.

Drei Tage später ist die Enttäuschung  etwas abgeklungen. Das Rennen spornt mich an, die nächsten Wochen wieder einen guten Rhythmus im Training zu finden, um dann hoffentlich wieder voll attackieren zu können.

Viele Grüße,
euer Maurice

Fotos: Meike Maurer | tritime-magazin.de

 

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