ERDINGER Alkoholfrei Perspektivteam:
Portrait Florian Angert

Florian Angert, 23 Jahre jung, 1,83 Meter groß, 74 Kilogramm leicht ist der zweite Athlet des Erdinger Alkoholfrei Perspektivteams, der sich den Fragen der www.tritime-magazin.de Redaktion gestellt hat. Florian fand über den Schwimmsport zum Triathlon. In der LBS Cup Triathlonliga in Baden-Württemberg und bei etablierten Wettkämpfen machte er mit starken Ergebnissen auf sich aufmerksam. 

Florian, worin liegt für Dich der besondere Reiz im Triathlon?
Da kommen mehrere Dinge zusammen. Neben der Kombination aus 3 Sportarten ist nach der ersten beziehungsweise zweiten Disziplin noch nicht alles entschieden, schließlich hat man je nach Strecke mehrere Stunden Zeit, das Rennen zu entscheiden. Zu meinen Schwimmerzeiten kam immer alles auf wenige Minuten und gar Sekunden an und ich durfte ich mir keine Fehler erlauben. Beim Triathlon spielen einfach mehr Faktoren eine Rolle, je länger der Wettkampf ist. Außerdem wird aus meiner Sicht die Leistung etwas anders betrachtet, nicht immer stehen Siege oder Topergebnisse im Vordergrund. EIn sechster oder zehnter Platz bei einem großen Rennen ist auch etwas Besonders. 

Wie viele Stunden trainierst Du aktuell pro Woche?
Die reine Trainingszeit – Anfahrtswege nicht eingerechnet – beträgt durchschnittlich 15-17 Stunden. Das hängt aber im wesentlichen davon ab, wie viel Rad gefahren wird und ob es sich um eine Be- oder Entlastungswoche handelt. Pro Woche gehe ich vier- bis fünfmal ins Wasser und zum Laufen, Rad fahre ich drei- bis viermal. Athletik und Stabi hängt von der Trainingsphase ab.

Bleibt da neben Studium/Beruf noch Zeit für all die schönen Dinge außerhalb des Sports?
Ich studiere in Gießen Ökotrophologie im 4. Semester. Manchmal ist es schon schwer, beides unter einen Hut zu bringen. Und dann möchte ich ja auch noch meine Freundin und meine Familie sehen. Da ich das aber schon als Schüler kombinieren musste, bin ich daran gewöhnt und es klappt schon. Und manchmal muss man sich die Zeit auch einfach nehmen, egal was auf dem Trainingsplan steht.

Was bedeutet für Dich die Aufnahme in das Erdinger Alkoholfrei Persektivteam?
Ich bin ja schon seit letztem Jahr dabei, war aber leider verletzt. Erdinger ist einfach eine große Familie, in der jeder mit jedem klarkommt und jeder hilfsbereit ist. Man lernt viele neue Leute kennen, speziell bei Team-Events, bei Messen oder Treffen mit den Team-Partnern. Ansonsten hat sich, bis auf die Tatsache, dass man einen Großteil des Materials gestellt bekommt, bei mir persönlich durch das Perspektivteam nichts geändert.

Wie waren die Reaktionen in Deiner Familie und im Freundeskreis?
Meine Eltern machen beide regelmäßig Sport und müssen das mit ihrem Job vereinbaren. Mir war es schon wichtig, sie in die Entscheidung mit einzubeziehen, zumal ich auf sie angewiesen bin, was Lebenshaltungskosten und dergleichen angeht. Müsste ich neben meinem Studium und dem Leistungssport noch arbeiten, hätte ich gar kein Leben mehr drum herum. Ich weiss das sehr zu schätzen, dass sie mich schon immer beim Sport unterstützt haben und mich niemals dazu gedrängt haben. Letztendlich muss ich aber für mich wissen, was richtig ist beziehungsweise ich als richtig erachte. Natürlich habe sie sich über meine Berufung und Zusage gefreut. Aus dem Freundeskreis kamen auch vereinzelt Glückwünsche, aber ich die haben da keine riesen Sache draus gemacht. Ich auch nicht, also passt das schon!

Ist die Teilnahme beim Ironman auf Hawaii Dein großes sportliches Ziel?
Hawaii ist sicherlich ein Ziel. Inwieweit und ob das überhaupt realisierbar ist, weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht. Ich bin ja aktuell nur auf der Olympischen Distanz unterwegs. Ich denke schon, dass mir Mittel-/Langstreckenrennen noch besser liegen, und darauf lege ich auch meinen Fokus. Dazu muss ich aber erst die nächsten Jahre abwarten und sehen, wie sich alles mit Studium/ Job entwickelt. Ich werde es nicht über die Stange brechen und alles riskieren, nur um einmal dabei gewesen zu sein. Dazu sind mir meine Knochen zu schade. Ich möchte nicht bei jedem Schritt Schmerzen habe, wenn ich einmal mit dem Leistungssport aufhöre. Wenn sich die Chance Hawaii wirklich ergibt, greife ich zu.

Und die Olympischen Sommerspiele?
Der Zug zu Olympia war bei mir – ganz realistisch betrachtet – nie da. Dafür werde ich nie schnell genug laufen, einfach deshalb, weil die Voraussetzungen ganz andere sind. Die Zeit, die andere von Kindesbeinen an mit Laufen und Triathlon verbracht haben, war ich im Schwimmbecken. Dass die dann schneller ganz andere Voraussetzungen mitbringen, ist ja klar. Und da es nie großartig geplant war, bricht da für mich auch keine Welt zusammen, wenn ich bei Olympia nicht als Athlet am Start war.

Hast Du Vorbilder?
Michael Phelps und Sebastian Vettel. Michael Phelps schon zu meinen Schwimmerzeiten. Was mich immer begeistert hat war sein perfekter Schwimmstil, außerdem war er immer auf den Punkt topfit! Er hat sicherlich Talent, aber erfolgreichster Olympionike wird man nicht durch Talent. Er hat vielmehr gezeigt, was durch Training & Wille möglich ist. Sebastian Vettel auch deshalb, weil auch er von der Bergstraße kommt. Obwohl er ja „nur ein Auto im Kreis fährt“ muss auch er ein riesiges Trainingspensum absolvieren und im Rennen immer top fokussiert sein. Auch das akribische Arbeiten und „stetig besser werden wollen“, das man ihm nachsagt, mag ich!

Was ist Deine Lieblingsdisziplin?
Klarer Fall, das Schwimmen! Obwohl ich das zehn Jahre als Leistungssport betrieben habe, wird’s nicht langweilig, im Gegenteil. Gerade nach harten Läufen oder Radtouren entspannt mich das Schwimmen ungemein, zumal ich da die Beine auch mal baumeln lassen kann und mich trotzdem noch bewege.

Und wo siehst Du Verbesserungspotenzial?
Ich glaube, in allen Disziplinen steckt bei mir noch viel Potenzial. Am meisten natürlich im Radfahren, insbesondere der Fahrtechnik, und im Laufen. Schließlich übe ich den Triathlonsport ja erst seit Anfang 2012 aus. Aber dafür klappt es trotzdem schon recht gut. Luft nach oben ist aber immer! Vieles kommt, so denke ich, auch über die Jahre mit wachsender Erfahrung und den vielen Trainingskilometern.

Wo trainierst Du am liebsten?
Obwohl ich überwiegend in Gießen trainiere, bin ich am liebsten in meiner Heimatstadt Weinheim: im Sommer ein häufig leeres 50-Meter-Freibad und ein nahegelegener Baggersee, im Winter immer Schwimmmöglichkeit im Hallenbad. Radfahren im Odenwald und Neckartal bleibt sowieso unerreicht und die Laufstrecken im Weinheimer Exotenwald sind einfach perfekt!

Was ist Dein bisher größter Erfolg?
Im Triathlon sicherlich der 3. Platz beim Frankfurt City Triathlon 2013 hinter Sebastian Kienle und Christian Prochnow. Im Schwimmen war ich 2010 bei der Junioren Europameisterschaft in Helsinki fünfter mit der 4x100Freistil Staffel. Das war auch schon cool!

Wie sieht Deine Saisonplanung aus?
Zwei Rennen vom Rhein-Neckar Cup, Erding Stadttriathlon, zwei Starts in der Triathlon Bundesliga sowie der Frankfurt City Triathlon.

Und das sagt die Teammanagerin Wenke Kujala über Florian Angert
Florian bringt als ehemaliger Schwimmer alles mit, um auch im Triathlon erfolgreich zu sein. Er ist es gewohnt hart und diszipliniert zu arbeiten und bringt sich gut in das Team ein. Er hat seine Laufleistung signifikant verbessert und ich bin überzeugt davon, dass er in dieser Saison viele überraschen wird!

8 Fragen – 8 Antworten
Wo liegen Deine persönlichen Stärken?
Ich sehe Triathlon nicht als „Muss“ an! Ich betreibe diese Sportart, weil sie Spaß macht und nicht, weil mir jemand „befiehlt“ es zu tun. Eine weitere Stärke von mir ist es, Trainingseinheiten durchzuziehen, obwohl ich schon (vorher) k.o. bin. 

Wo liegen Deine persönlichen Schwächen?
Die Vereinbarkeit von Sport und Uni: Schwimmen, Radfahren und Laufen machen aber auch einfach mehr Spaß als Lernen! Außerdem empfinde ich Dinge als nervig, die mir eigentlich egal sein könnten.

Was macht Dich wütend?
Autofahrer, die ohne sich umzuschauen losfahren und dich dabei fast über den Haufen fahren.

Was bringt Deine Augen zum Leuchten?
Ein leckeres Abendessen nach einem hartem Trainingstag und ein – sehr selten vorkommendes – freies entspanntes Wochenende!

Was motiviert Dich?
Jeden Tag ein bisschen besser zu werden und eigene Grenzen zu testen.

Worauf musst Du am meisten verzichten?
Aus Sportsicht: Freizeit im Sinne von seinen Hobbies nachgehen. Zeit mit Freundin und der Familie.

Wie (und in welchem Umfeld) entspannst Du Dich am besten?
Da ich eigentlich Student von Beruf bin kann ich beim Sport sehr gut abschalten. Vom Sport wiederum entspanne ich auf der Couch vor dem Fernseher.

Wo siehst Du Dich in 10 Jahren?
Hoffentlich mit Familie und allem was dazugehört, und im besten Alter für einen Profitriathleten.

12 Stichworte – 12 spontane Reaktionen
Leidenschaft: Braucht man, um besser zu werden.
Begabung: Schwimmen.
Entscheidungen: Müssen getroffen werden, egal wie schwer/ leicht sie fallen.
Respekt: Im Sport und Alltag ein Muss.
Rivalität: Eine gesunde Rivalität ist nicht verkehrt.
Fairness: Immer an oberster Stelle.
Intelligenz: Hilft.
Image: Da trägt man viel selbst dazu bei.
Angst: Ist menschlich.
Soziale Verantwortung: Sehr wichtig.
Olympia / Kona: Eindeutig Kona!
Früher war alles besser:  Kann schon sein! Als Mami abends noch gekocht hat, auf jeden Fall!

Fotos: Team ERDINGER Alkoholfrei

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